Reisetipps Italien – Bologna
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Bologna ist eine wunderschöne, atmosphärische und auch lebendige Universitätsstadt.
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Die beiden Türme Asinelli und Garispenda (wovon einer schiefer als der berühmte Kollege in Pisa ist) sind ein echter Hingucker.
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Die Piazza Maggiore mit der Basilika San Pedroni ist – umrahmt von vielen sehenswerten Bauwerken – absolut beeindruckend.
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Kulinarisch ist Bologna Weltklasse – hier wurden zB die Tortellini erfunden. Schlemmen und genießen gehören hier einfach mit dazu.
Wo sind die besten Spots? Was sollte man wissen? Wie plane ich meine Reise?
- Impressionen aus Bologna – ein kleines „Best-of“
- Übersicht, wichtigste Fakten & gute Tipps zu Bologna
- Die besten Spots in Bologna
- Meine besten Spot-Tipps in Bologna auf einer Karte
- Meine Hoteltipps für Bologna
- Meine Restaurant-Empfehlungen in Bologna
- Fototipps, die euch gerne mitgeben möchte
- Fun-Facts zu Bologna
Übersicht, wichtigste Fakten & gute Tipps
Folgend möchte ich euch ein paar wertvolle Hinweise zur Planung und zum Besuch von Bologna geben:
- Generell
Bologna ist die Hauptstadt der Region Emilia-Romagna, die sich fast einmal von Ost nach West durchs Land zieht. Durch die prominenten Nachbargebiete der Toskana und Venetien (mit der Adriaküste) rutscht die Emilia-Romagna ein bisschen in ein Schattendasein, aber gerade darin liegt auch eine Chance, DENN z.B. Bologna bietet sich perfekt für einen Stopp auf dem Weg nach Florenz an. - Wie plane ich meinen Besuch von Bologna?
Der Stadtkern mit den Sehenswürdigkeiten ist sehr kompakt, so dass man alles sehr gut und einfach zu Fuß erledigen kann. Öffentliche Verkehrsmittel kommen kaum ins Spiel. Lediglich die Kirche Santuario della Madonna di San Luca befindet sich etwas außerhalb, allerdings kann man diese problemlos „öffentlich erreichen“. - Wieviel Zeit sollte man einplanen?
Bologna ist keine sonderlich große und weitläufige Stadt, weshalb man sehr viel sehr schnell besichtigen kann. Aber es ist eben auch eine Stadt, die man auf jeden Fall erleben, sprich ohne eine echte Bucketlist einfach mal genießen sollte. Deshalb würde ich zwei volle Tage, also drei Nächte empfehlen, aber theoretisch kann man auch mit zwei Nächten die wichtigen Spots besuchen.
Anmerkung: Ravenna wäre ein prima Tagesausflug, in dem Fall müsste man eben eine Nach draufrechnen. - Was macht Bologna aus?
Da gibt es sehr viele Punkte, die ich im einzelnen auch noch weiter unten jeweils erklären, aber ich möchte sie kurz einmal anmerken, weil man von Bologna vielleicht ad hoc nicht so viel weiß.
1. Die erste Universität der Welt gab es tatsächlich in Bologna! Das hat die Stadt natürlich sehr stark geprägt und das merkt man auch heute noch. Zum einen weil es zahlreiche Highlights dazu gibt und zum anderen weil Bologna durch die vielen Studenten hipp und voller Leben ist.
2. Kulinarisch kann man in Bologna unheimlich viel erleben. Vor allem kommen die überall beliebten Tortellini aus Bologna, so dass man drum herum kommt, diese einmal hier zu probieren, aber darüber hinaus gibt es auch noch einige weitere leckere Köstlichkeiten. Diese beschreibe ich ausführlich weiter unten.
3. Was einem sofort in der Innenstadt auffällt sind die schier endlosen Arkaden. Insgesamt erstreckt sich das Netz dieser Säulengänge auf 38 km Länge! Seit 2021 zählen die Arkaden sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe. Was es damit spannendes auf sich hat, erkläre ich weiter unten.
4. Bologna ist die Stadt in Orange! Tatsächlich gibt es sogar einen eigenen Farbton, aber generell sind sehr viele Gebäude in der Innenstadt in einem schön warmen Orangeton, was definitiv zur herrlichen Atmosphäre beiträgt. - Wie besichtige ich Bologna?
Man kann natürlich alles auf eigene Faust machen, aber ich würde auf jeden Fall eine geführte Walking Tour durch die Altstadt empfehlen.
Ganz einfach, weil Bologna unheimlich viel zu bieten hat und es vor allem unzählige „spezielle Highlights“ gibt, die einem ansonsten ziemlich sicher entgehen. Zudem gibt es jetzt auch nicht unendlich viele, richtig gute Reiseführer für Bologna!
Ich habe an einer Free Walking Tour über guruwalk.com teilgenommen und kann diese nur wärmstens empfehlen. Die Tour hat ungefähr zwei Stunden gedauert und sehr viele meiner Angaben zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten weiter unten stammen aus dieser Tour. Wer guruwalk nicht kennt, tatsächlich kostet die Tour nichts, sondern basiert im Wesentlichen auf Trinkgeld. Hier sollte man dann aber bitte etwas großzügiger sein.
Die besten Spots in Bologna
Folgend eine Auflistung der verschiedenen Spots mit Erklärungen zu dem jeweiligen Besuch.
Ein persönlicher Hinweis: Ich bin kein Museum-Fan! Wer also hier nach Tipps für Museen sucht, den muss ich leider enttäuschen.
Piazza Maggiore & Basilika San Petronio
Beginnen möchte ich mit dem offensichtlichen, nämlich der Piazza Maggiore, was übersetzt soviel wie Hauptplatz (oder grob „der größere Platz“) bedeutet. Diese wunderschöne Piazza wird von zahlreichen beeindruckenden Gebäuden, unter anderem die Basilika San Pedroni, umrahmt und befindet sich sehr zentral in der Altstadt von Bologna.
Piazza Maggiore, Palazzo Re Enzo & Palazzo d’Accursio
Die Piazza Maggiore ist der größte Platz in Bologna und dementsprechend auch ein belebter Treffpunkt. Bei meinem letzten Besuch war außerdem im Juli in der Mitte des Platzes ein großes Sommernachtskino aufgebaut, was wirklich fantastisch war (entweder Originalton oder mit englischem Untertitel). Hier ist also immer etwas los und das zu Recht!
Die umgebenden Gebäude sind eigentlich auch schon eigene Sehenswürdigkeiten. So zum Beispiel am westlichen Rand gelegene Palazzo d’Accursio, der mit seinem Glockenturm ein echter Blickfang ist.
Oder aber der nördliche Palazzo del Podestá zusammen mit dem Palazzo Re Enzo bei welchem man ein kleines Kuriosum bestaunen kann. Denn im mittleren Bereich dieses Gebäudekomplexes treffen vier Säulengänge aufeinander, wo man immer wieder Leute beobachten kann, die augenscheinlich seltsamerweise mit der Wand sprechen. Tatsächlich ist dieser Bereich so konstruiert, dass man – selbst wenn man flüstert – das Gesagte auf der gegenüberliegenden Seite erstaunlich gut verstehen kann. Diese Technik wurde wohl zu Zeiten diverses Krankheiten genutzt, denn so konnte man sich unterhalten und trotzdem Abstand halten. Einfach mal ausprobieren!
Neptunbrunnen
Ein klares Highlight und ein prima Fotomotiv ist außerdem der Neptunbrunnen, wobei die bronzene Statue mit einer Höhe von knapp 3,5 m durchaus wuchtig daherkommt.
Ein spaßiges Detail ist, dass man die linke, ausgestreckte Hand von jeder Position gut sehen kann – nur an einer Stelle nicht! Kleiner Tipp, geht mal auf die Stufen der Bibliothek… Hier ergibt sich eine optische Täuschung.
Basilika San Petronio
Die unumstritten spannendste Sehenswürdigkeit ist aber die Basilika San Pedroni, die aufgrund ihrer Stufen zum Haupteingang gefühlt ein wenig über der Piazza Maggiore thront. Mit einer Bauzeit von ca. 270 Jahren gilt die Kirche als unvollendet, weil viele Elemente nicht fertig gestellt wurden. So hat die Hauptkirche Bolognas beispielsweise von oben betrachtet keine Kreuzform und die Frontfassade wurde nicht Vollendes mit Marmor verkleidet. Um ehrlich zu sein, dieser „Makel“ ist nicht wirklich offensichtlich, denn die schöne Backsteinbauweise sieht auch schon sehr imposant aus.
Der Eintritt in die Basilika ist erfreulicherweise kostenlos (nicht wie in Florenz) und kann einen Besuch nur dringend empfehlen.
Mit einer Länge von 132 m, einer Breite von 60 m und einer Höhe von 45 m handelt es sich immerhin um die fünftgrößte Kirche der Welt und sogar um die größte Backsteinkirche überhaupt! Und diese gewaltigen Ausmaße sieht man innen auch sehr gut.
Insgesamt gibt es auf beiden Seiten jeweils elf Kapellen, die alle unterschiedlich gestaltet sind und alle auf ihre Art besonders sind. Hierbei möchte ich den Fokus auf drei Kapellen lenken, alle befinden sich auf der linken Seite:
- 2te Kapelle – die pompöse Kapelle gehört zu dem Heiligen Petronius, dem Stadtpatron Bolognas.
- 7te Kapelle – hier liegt Napoleons älteste Schwester.
- 4te Kapelle – diese Kapelle wird sogar separat bewacht, denn sie beinhaltet ein durchaus kontroverses Wandgemälde des Jüngsten Gerichts von Giovanni da Modena, welches von Dantes Göttlicher Komödie inspiriert wurde. Hierbei wird oben der Himmel oder das Paradies und unten die Hölle inklusive Luzifer dargestellt. Und genau in diesem Bereich findet man auch einen enthaupteten Mohammed! Aus diesem Grund gab es auch schon zwei geplante Anschläge auf diese Kirche, und zwar in den Jahren 2002 und 2006.
Erwähnenswert ist außerdem, dass man hier mit knapp 67 m die längste Meridianslinie sehen kann.
Für den Besuch müssen die Schultern bedeckt sein und bei Frauen sollte die Kleidung auch über die Knie gehen.
Ich habe vor meinem Besuch in Bologna oftmals von einer Aussichtsterrasse in der Basilika gelesen, allerdings ist diese mittlerweile dauerhaft geschlossen.
Türme Garisenda & Asinelli
Das erste Bild, das ich von Bologna gesehen habe, war eines mit den beiden Türmen Garisenda und Asinelli und von diesem Zeitpunkt an, hat mich Bologna fasziniert. Denn tatsächlich gab es ursprünglich deutlich mehr als 100 Türme in Bologna!
Die Höhe der Türme war für die jeweiligen Besitzerfamilien ein Ausdruck von Macht, weshalb Bologna zwischenzeitlich wie ein Disney-Ort aussah. Ich habe unten mal ein (leider mit Graffiti verunstaltetes) Illustration des früheren Stadtbilds eingefügt, denn irgendwie kann man sich die Ausmaße dieses Turmbaus so gar nicht vorstellen. Leider sind nur noch ca. 22 bis 24 Türme übrig geblieben (je nachdem was man als Turm bezeichnet), wovon Garisenda und Asinelli die bekanntesten sind.
Die Bezeichnungen für die Türme sind übrigens die Namen der damaligen Inhaberfamilien.
Die beiden Geschlechtertürme, welche ca. 1110 erbaut wurden, sind mittlerweile eines der Wahrzeichen von Bologna und prägen tatsächlich sehr deutlich das heutige Stadtbild. Bedauerlicherweise wurde beim Bau nicht sonderlich sorgfältig auf den sumpfigen Untergrund geachtet, denn keiner der beiden Türme steht gerade. Der mit 97,2 m höhere Turm Asinelli neigt sich um über 2 m nach Westen und der mit 48 m kleinere Turm Garisenda neigt sich sogar über 3 m (über 5 %!).
Bis 2023 konnte man den Turm Asinelli besichtigen, allerdings ist dies aktuell nicht mehr möglich. Die Reparatur wird sicherlich viele Jahre in Anspruch nehmen.
DENNOCH, die beiden Türme sind ein tolles Highlight in Bologna! Vor allem, wenn man sie sich von mehreren Punkten betrachtet, kann man immer wieder die wirklich beachtliche Neigung bestaunen.
In unmittelbarer Nähe der beiden Türme stößt man die auffällige Piazza della Mercanzia mit ihrem gleichnamigen Palast, der ein großartiges Fotomotiv darstellt. Mich erinnert dieses gotische Bauwerk sofort an die Feldherrnhalle am Odeonsplatz in München.
Allerdings ist tatsächlich der „Inhalt“ der hier befindlichen Camera de Mercado (übersetzt Marktzimmer) das besondere, denn hier werden die Originalrezepte der berühmtesten Gerichte aus Bologna aufbewahrt!
Piazza Santo Stefano & Basilika Santo Stefano
Der Lieblingsspot in Bologna meines Guides der Walking Tour ist die Piazza Santo Stefano und ich konnte sehr schnell erkennen wieso. Hier herrscht nämlich eine äußerst angenehme Atmosphäre mit pittoresken Restaurants, versteckt unter wunderschönen Arkaden.
Am unteren Ende dieses dreieckigen Platz befindet sich der Kirchenkomplex der Basilika Santo Stefano, der aus mehreren Gebäuden, Innenhöfen und Kreuzgängen besteht, den es sich auch zu besuchen lohnt.
VORSICHT! Hier sollte man die Öffnungszeiten beachten.
Palazzo dell’Archiginnasio (alte Universität)
Ich hatte ganz oben mal erwähnt, dass Bologna eine Universitätsstadt ist. Nun, den Ursprung dafür findet man genau hier – im Palazzo dell’Archiginnasio. Hier wurde nämlich im 16ten Jahrhundert in nur einem Jahr die damals erste Universität der Welt gebaut, die der Stadt Bologna einen erheblichen Aufschwung beschert hat.
In diesem leicht versteckten Gebäude an der etwas unter dem Radar fliegenden Piazza Galvani (Vorsicht – nicht dran vorbeilaufen!) befindet sich zwar heute die Stadtbibliothek, aber die vielen Wappen der damaligen Studenten an den Wänden und den Bogengängen erinnern immer noch sehr eindrucksvoll an die damalige Zeit.
Das Highlight ist aber zweifelsohne der komplett holzvertäfelte Anatomiesaal in dem früher die Medizinstudenten wie in einem Theater die Vorlesungen verfolgten. Tatsächlich gab es hier an der Universität die erste Form von plastischer Chirurgie, denn einer der Doktoren konnte Nasen, Backen und Ohren korrigieren.
Ebenfalls beeindruckend ist der so genannte Stabat-Mater-Saal (benannt nach einem Musikstück, welches hier uraufgeführt wurde), über den man einen Blick in einen der Bibliothekssäle werfen kann (betreten darf man sie nicht).
Hinweis: Der Besuch des Innenhofs, der Kreuzgänge und des ersten Stocks (innerer Bereich) ist kostenlos! Man kann also tatsächlich die Treppen hochgehen und von dort die wunderschöne Sicht in den Innenhof genießen.
Eintritt muss man nur für den Anatomiesaal und den Stabat-Mater-Saal bezahlen, allerdings ist dies sehr günstig und deshalb durchaus lohnenswert.
Stadtviertel Quadrilatero
Ich finde es immer ein hervorragendes Zeichen, wenn ein Stadtviertel ein Reisetipps oder manchmal sogar eine eigene Sehenswürdigkeit ist. So auch in diesem Fall, denn das Viertel Quadrilatero ist wirklich zauberhaft. Auch wenn es nicht wirklich groß ist, so kann man sich ein bisschen in den kleinen Gassen verlieren und verlaufen.
Diese quirlige Viertel ist ganz leicht zu finden, und zwar in dem man vom Piazza Maggiore östliche durch das große Tor des Palazzo die Banchi spaziert. Mich hat es ehrlich gesagt völlig intuitiv in diese Richtung gezogen, vielleicht geht es euch ja ähnlich…?!?
Ich habe die für Bologna so typische orangene Farbe hier als noch überwältigender empfunden und gleichzeitig ist sie für mich auch genau das sommerliche Italien.
Meine Empfehlung sich einfach mal treiben lassen, in die Geschäfte schauen und ab und zu mal eine Cappuccino-Pause in einem Café einlegen oder sich einen Aperitif in einem der vielen Restaurants zu gönnen. Zwei meiner Restaurants-Tipps weiter unten sind aus diesem Viertel.
Hier kann man übrigens auch ganz wunderbar kulinarische Souvenirs einkaufen!
Arkaden
Die Arkaden von Bologna sind zwar keine konkretes Sehenswürdigkeiten und dennoch muss und möchte ich sie hier gesondert erwähnen. Denn zum einen sprechen wir hier von 38 km (!) Arkaden in ganz Bologna und zudem sind die Arkadengänge von Bologna seit Juli 2021 Teil des UNESCO-Welterbes. Quasi überall in der Altstadt von Bologna findet man die wunderschönen Bogengänge und kann gar nicht anders als von ihnen fasziniert sein. Sie verleihen der Altstadt definitiv ein ganz eigenes und besonderes Bild.
Die längste Arkade ist stolze 4 km lang und führt von der Altstadt Bolognas hinaus zur Kirche Santuario della Madonna di San Luca. Dazu weiter unten mehr.
Aber woher kommen die vielen Arkaden?
Wie oben erklärt, gab es hier in Bologna die erste Universität, weshalb in kürzester Zeit extrem viele Studenten von überall aus der Welt hierher kamen um „Wissen zu bekommen“. Und so wurde folgerichtig recht schnell der Platz knapp, weshalb man den vorhandenen Platz gut nutzen musste. Und da kommen die Arkaden ins Spiel!
Durch die neue Bauweise mit Arkaden hatte man nämlich mehr Wohnraum über der Strasse und trotzdem gab es noch genügend Platz darunter, dass auch Pferde hier hindurch kamen. Im Laufe der Zeit wurde es sogar Pflicht mit Arkaden zu bauen! Wer nicht mit Arkaden gebaut hat, musste tatsächlich eine Strafe bezahlen.
Klein Venedig
Gefühlt gibt es ja mittlerweile in sehr vielen Städten ein Klein-Venedig, allerdings fand ich den Bereich in Bologna erstaunlich schnucklig. Vom Piazza Maggiore aus läuft man ungefähr sieben bis zehn Minuten, kommt dabei aber auf dem Weg immerhin an zwei der größten Türme Bolognas vorbei, zum Beispiel dem Torre Prendiparte, den man sogar besteigen kann.
Um hier aber die richtige Erwartungshaltung zu kreieren, es handelt sich eher um ein Little (little little little) Venice! Zwar war das Kanalsystem in Bologan weit verzweigt und mit 60 km auch erstaunlich lang, aber eigentlich gibt es nur drei, direkt beieinander liegende Stellen, an denen man eine schöne Sicht auf den Kanal bekommt.
In der Via Piella gibt es zwei schöne Spots, wobei eine davon ein ausgesprochen kleines Fenster ist, welches ein wenig versteckt liegt. Aber keine Sorge, meistens stehen hier bereits andere Touristen und machen Bilder, so dass man das Fenster eigentlich nicht verpassen kann. Außerdem hat man von der Via Guglielmo Oberdan einen sehr schönen, freien Blick, allerdings auf den gleichen Kanalbereich, nur von der anderen Seite.
Klingt jetzt eher mittelspannend, aber ich fand’s lustig und die Motive sind schon klasse.
Santuario della Madonna di San Luca
Ich hatte die vorher in dem Kapitel der Arkaden bereits die Wallfahrtskirche Santuario della Madonna di San Luca erwähnt, welche vor allem für seinen Arkadengang bekannt ist. Dieser ist mit über ca. 4 km nämlich tatsächlich der längste der Welt! Der Haken ist nur, dass es ganz schön heftig bergauf geht…
Wer möchte kann diesen durchaus beeindruckenden Gang auf jeden Fall bewältigen, allerdings muss man beachten, dass dieser nicht direkt im Zentrum beginnt, sondern am Stadttor Porta Saragozza. Der Arkadengang selbst ist ungefähr 4 km lang, ins Zentrum sind es dann genau 4,9 km, wie man auf vielen Schildern lesen kann.
Wer sich diesen nicht zu unterschätzenden Marsch nicht zumuten möchte, es gibt auch andere Möglichkeiten auf diesen über der Stadt thronenden Hügel zu gelangen. Entweder mit dem Auto (so habe ich es gemacht – aber Vorsicht, es wirklich steil und kurvig nach oben), dem Bus oder der sympathischen Bimmelbahn, die an der Piazza Maggiore startet.
Die Kirche selbst ist durchaus spannend, vor allem weil sie ebenfalls in ein warmes Orange getaucht wurde und wunderschön auf die Stadt hinabblickt. Allerdings gibt es keine richtig schöne Aussichtsplattform rund um die Kirche, was ich wirklich schade fand! Die beste Variante ist es dann auch noch einen kleinen Aufpreis zu bezahlen und die Kuppel zu besichtigen. Hier hat man zwar keine 360 Grad, sondern nur eine 180 Grad Aussicht, aber man kann immerhin schöne Bilder machen. Das Erlebnis ist aber nicht ganz so spektakulär, wie man es vielleicht erwartet.
Mein Tipp: Für tolle Bilder sollte man die Kirch a späten Nachmittag besichtigen, denn dann hat man die Sonne im Rücken und so ein wunderbares Licht auf die Kirche (und die Stadt).
Wichtig! An der Kirche selbst gibt es keinerlei Möglichkeiten Getränke einzukaufen, insofern sollte man hier vorsorgen, speziell, wenn man nach oben wandert.
Einen Parkplatz habe ich problemlos an der Kirche gefunden, ansonsten kann man auch problemlos nach oben laufen und mit dem Bus wieder nach unten fahren.
Kulinarische Highlights
Kulinarisch ist Bologna ein versteckter Riese, denn kaum jemand weiß, welche in Deutschland überaus beliebten Klassiker aus der Hauptstadt der Emilia-Romagna stammen.
Fangen wir mal mit unserer allseits beliebten Bolognese-Sauce an. In Bologna heißt sie zwar Ragù (die Zubereitung ist ganz leicht anders), aber im Prinzip ist es das gleiche Gericht. ABER in Bologna wird dieses Gericht mit Tagliatelle serviert und eben nicht mit Spaghetti – diese stammen nämlich aus dem Süden (allerdings in der Zubereitung ohne Eier).
Ganz wichtig, bei den Tagliatelle, diese dürfen auf keinen Fall dicker als 7mm sein, denn in dem Fall wären es Parpadelle und diese stammen aus der Toskana!
Neben der Sauce Ragú stammen auch noch die Tortellini aus Bologna. Allerdings muss man da ein wenig aufpassen, denn dieser Name wird in Deutschland oftmals falsch verwendet, DENN die Tortellini sind klein (alles am Ende mit …ini ist klein) und um diese zu „beweisen“ müssen sieben Stück auf einen Löffel passen. Einfach mal ausprobieren, bei mir hat es geklappt.
Der große Bruder Tortelloni (das sind die, die wir in Deutschland oftmals als Tortellini verkauft bekommen) ist dann deutlich massiger. Hier besteht eine Portion nur aus vier oder fünf Stück Tortelloni (…oni = groß).
Und weiter geht es, denn sogar die Lasagne stammt aus Bologna! Hier wird sie klassisch in sieben Schichten mit grünen Nudeln und damit in den italienischen Nationalfarben zubereitet.
Sogar der schwarzer Trüffel stammt ursprünglich aus Bologna – kaum zu glauben.
Und abschließend war die Mortadella das erste geschätzte Essen im 16ten Jahrhundert! Diese darf tatsächlich nur in Bologna produziert werden und trägt deshalb auch das Siegel IGP (Indicazione Geografica Protetta – geschützte geografische Herkunftsbeschreibung).
Ihr seht, Bologna bietet wirklich sehr viele köstliche regionale Gerichte, weshalb man hier wirklich ganz ausgezeichnet schlemmen kann.
Wichtiger Hinweis! Wer plant frische Pasta als Souvenir mit nach Hause zu nehmen, der sollte vorher unbedingt nach Haltbarkeit und den Transportmöglichkeiten (sprich ob und wenn ja wie gekühlt) fragen, denn in den meisten Fällen sollte man die frische Pasta innerhalb von zwei Tagen verbraucht haben!
Meine besten Spot-Tipps in Bologna auf einer Karte
Ich habe auf der Karte die wichtigsten Spots markiert. Einfach links oben auf das Rechteck mit Pfeil blicken und die Markierungen werden angezeigt.
Meine Hoteltipp in Bologna
Gregorini Bingham – Art Luxury Suites
Nicht ganz zentral, aber dafür haben diese Appartements definitiv das gewisse Etwas. Gefühlt wohnt man in dem Gebäude aus dem 17ten Jahrhundert wie in einem Schloss, denn die Zimmer haben extrem hohe Decken, verfügen über außergewöhnlich viel Platz und wunderschöne Verzierungen. Die modernen Bäder sind da dann schon fast ein großer Kontrast.
Auch wenn es keinen Fahrstuhl gibt, das Treppenhaus ist alleine schon ein tolles Fotomotiv.
Im Vorfeld gab es zur Anreise auch einen sehr angenehmen Austausch per WhatsApp und vor Ort habe ich prima Tipps für Restaurants und Besichtigungen bekommen.
Palazzo Gregorini-Bingham, Via Barberia, 32, 40126 Bologna
Meine Restaurant-Empfehlungen in Bologna
Sfoglia Rina
Wenn ein Restaurant in JEDEM Reiseführer steht, dann muss man dort einfach hin. Keine Ahnung, wie dieser Hype entstanden ist, aber vor diesem von außen eher unscheinbaren Pasta-Laden stehen mittags fast immer viele Gäste in der prallen Sonne in der Warteschlange. So auch ich!
Die Tagliatelle a la Ragù sind hier die Spezialität des Hauses und rauschen dementsprechend oft bereits beim Hereinkommen an einem vorbei. Und JA, die Pasta ist klasse und super lecker!
Lustig ist hier auch das Bestellprozedere, denn man schreibt quasi seinen eigenen Bestellzettel und händigt diesen der Bedienung aus.
Eine schöne Zugabe ist, dass es auch noch einen wirklich ausgesprochen ansprechenden Ladenbereich gibt, wo man frische Pasta einkaufen kann.
Via Castiglione, 5/b, 40124 Bologna
051 Osteria Quadrilatero
Mir sind – gerade bei den Restaurants – auch immer praxisnahe Tipps sehr wichtig, sprich zentrumsnah oder vielleicht sogar da, wo man Touristenfallen vermuten würde. Ich habe zweimal abends in Quadrilatero gegessen, und zwar zweimal dort, wo alle Touristen (und Locals) essen. Und einer meiner echten und ehrliche Tipps ist diese Osteria. Warum? Weil das Essen phänomenal, der Service zuvorkommend und das Preis-Leistungs-Verhältnis für die zentralste Lage sehr gut war.
Ich hatte richtig leckere Tortellini und auch der Aperitif war ebenfalls sehr frisch.
Eine schöne Empfehlung!
Via degli Orefici, 7a, 40124 Bologna
Lampadina
Direkt neben meinem Unterkunftstipp findet man das hippe Café Lampadina, in welchem man als Hotelgast auch noch eine Ermäßigung bekommt. Mir hat das Lampadina vor allem wegen dem ausgezeichneten Kaffee (auch alternative Milch – keine Selbstverständlichkeit in Italien – im Gegenteil) und den sehr leckeren Teilchen ausgesprochen gut gefallen. Sicherlich leicht abseits und dennoch ein prima Tipp, wenn man in dieser Ecke ist.
Via Barberia, 34c, 40123 Bologna
Ristorante Da Cesarina
Ein Tipp von meinem Hotel, der tatsächlich ein echter Volltreffer war! Alleine die Lage, direkt an der Piazza Santo Stefano ist schon sensationell. Das Filet war sehr zart, die Pistazien-Nachspeise himmlisch und der Kellner sehr schnell und dabei unaufdringlich.
Via Santo Stefano, 19/b, 40125 Bologna
Cremeria la Vecchia Stalla
Und weil es an der Piazza San Stefano so schön ist, habe ich direkt noch einen Tipp für extrem leckeres Eis. Mir wurde mal für Italien erzählt, dass man eine gute Eisdiele daran erkennt, dass das Eis aus Behältern mit Deckel kommt. Erstaunlicherweise würden dann sehr schnell sehr viele Spots durchs Raster fallen. Die Cremeria allerdings nicht!
Das Eis war ein Gedicht, wirklich außergewöhnlich gut. Die lange Schlange vor dem Laden ist an sich ein gutes Zeichen, aber wenn diese dann auch noch schnell und gut abgewickelt wird, ist das noch besser. Ein Top-Tipp!!!
Via Santo Stefano, 14a, 40125 Bologna
Fototipps, die ich euch gerne mitgeben möchte
- Für tolle Bilder an der Kirche Santuario della Madonna di San Luca sollte man am späten Nachmittag vor Ort sein, denn dann hat man die Sonne im Rücken und so ein wunderbares Licht auf die Kirche (und die Stadt).
- Die besten Bilder in Klein-Venedig bekommt man entweder morgens oder am späten Nachmittag – denn dann fällt ein wenig Licht zwischen die Häuser und die besonderen Farben der Häuser kommen noch mehr zur Geltung.
- Die Basilika San Petronio erwischt man leider kaum mit der Sonne von vorne, weshalb sich zu mindestens die Abendsonne von der Seite anbietet, um so ein stimmungsvolles Farbenspiel entstehen zu lassen.
Fun Facts zu Bologna
- Die beiden Türme Asinelli und Garisenda waren ursprünglich etwa gleich hoch und durch eine überdachte Brücke miteinander verbunden.
- Asinelli ist zwar der höchste, verbliebene Turm, aber es gibt noch zwei höhere Türme als Garisenda! Und zwar wären da der Turm Azzoguidi, genannt Altabella mit einer Höhe von 61 m und der Turm Prendiparte, genannt Coronata mit einer Höhe von 60 m. Ähnlich hoch wie Garisenda sind die Türme Scappi mit 39 m und Uguzzoni mit 32 m.
- Es gibt in Bologna einen Jazz-Walk-of-Fame! Dieser befindet sich in den Straßen Via Capraie and Via degli Orefici. Wie in Hollywood findet man hier Sterne von Jazz-Größen, wie zum Beispiel Lucio Della, aber auch amerikanischen Größen dieser Musik. Anscheinend gab es hier früher mindestens einen sehr bekannten Jazzclub.
- Aus Bologna stammen sehr viele leckere Gerichte, die bei uns in Deutschland zu den absoluten Klassikern der italienischen Küche zählen: Lasagne, Tortellini, die Bolognese-Sauce (hier heißt sie aber Ragù), schwarzer Trüffel und noch viele mehr…

