Reisebericht Cuba – Maria la Gorda, Tal von Viñales und Havanna

  • Meine 21te Reise nach Cuba!

  • Wenn man weiß, dass Maria la Gorda eine einfache Anlage ist, kann man den traumhaften Strand und die tollen Tauchplätze umso mehr genießen.

  • Das Tal von Viñales ist eines DER Highlights in Cuba. Vor allem ein Ritt durch die Tabakplantagen ist ein einmaliges Erlebnis.

  • Ein Stadtrundgang durch Havanna gehört zu jeder Cuba-Reise dazu und es gibt dabei so unglaublich viel zu sehen.

Liebe Reisefreunde, 

es gibt sicherlich für jeden, aus welchen Gründen auch immer, besondere Reisen. So ist es auch bei mir. Meine erste Tiersafari in Afrika war eine solche. Aber dann gibt es noch Reisen nach Cuba! Über 20 x war ich nun bereits auf der größten Insel der Karibik, habe viele sehr außergewöhnliche Erinnerungen dort gesammelt und dennoch ist Cuba eine ganz eigene Schublade. Cuba ist für mich kein Land, sondern viel mehr ein Adjektiv, das Herzensglück beschreibt. Hier plant man weniger und lebt dafür mehr. Etwas, das sich in meinem deutschen Alltag eher etwas schwieriger gestaltet, in Cuba aber dafür umso besser anfühlt…

INTRO

Für diese Reise habe ich mir quasi ein „Best-of-the-West“ herausgesucht, und zwar eine Kombination aus dem Bade- und Tauchspot Maria la Gorda, dem wichtigsten Tabakanbaugebiet Cubas Viñales, sowie der ewigen Königin der Karibik und Hauptstadt Havanna. Der ganz große Vorteil ist, dass sich diese drei Orte ganz charmant kombinieren lassen, ohne dass man eine (große) Strecke doppelt fahren muss. Sprich, man reist quasi in einem Dreieck!
Genau das ist übrigens auch der Ablauf, den ich Tauchern oder Badeurlaubern, die abseits der Touristenorte bleiben wollen, empfehlen würde. Man sieht sehr viel vom Land und verbringt zudem Zeit an einem der schönsten Strände Cubas. Top!

ANKUNFT

Cuba ist ja aufgrund seiner „politischen Situation“ in einigen Bereichen ja nicht ganz so locker und flexibel, was sich bisher vor allem auch bei der Einreise widergespiegelt hat. Die Warteschlangen bei der Immigration haben meistens jeden amerikanischen Flughafen wie einen Provinzbahnhof aussehen lassen. Es gab schlichtweg eine extrem ausführliche Kontrollen der Unterlagen und es wurden zusätzlich auch noch einige Fragen rund um den Aufenthalt gestellt, was ohne Spanisch auch manchmal zu einer fröhlichen Scharade verkommen ist. Dieses Mal ist allerdings alles anders. Der wie immer olivgrün gekleidete Militär-Kontrolleur stellt mir überraschenderweise nur eine Frage: „Where are you from?“. Kaum, dass ich die Frage beantwortet habe, summt auch schon der Türöffner und ich stehe deutlich schneller als erwartet in der Gepäckhalle. So ändern sich die Zeiten.  

Allerdings dauert es nicht lange, bis das „alte Cuba“ auch schon wieder zurück ist. Nach etwas Warten, sehe ich nämlich meinen Koffer auf einem falschen Gepäckand herumfahren?! Angeblich kommt er aus Nassau oder Tampa. Nun ja, ich hinterfrage es nicht weiter, denn schließlich zählt aktuell nur das Ergebnis, und zwar DASS er hier ist. 

ANFAHRT MARIA LA GORDA

Der Teil, den ich mitunter in Cuba am liebsten mag, ist es im Auto sitzend aus dem Fenster zu schauen. Es gibt nämlich eigentlich immer etwas zu sehen und wenn es nur die atemberaubende Landschaft ist. In Cuba spielt sich allerdings das Leben auf den und rund um die Straßen ab und genau das kann man immer wieder beobachten, egal ob man in der Stadt, einem Dorf oder auf der Autobahn unterwegs ist. 

Cowboys reiten, teilweise ohne Sattel nur mit einer alten Decke, gemächlich auf ihren Pferden.
Die Menschen sitzen in Schaukelstühlen auf ihrer Veranda und freuen sich über über ihre sauber und akkurat angelegten Vorgärten.
Mangobäume und Bananenpflanzen stehen an jeder Ecke und das satte Grün der Blätter ist überwältigend.
Schweine quieken durch den Ort und Kinder spielen mit einer Steinschleuder. Ich wusste gar nicht, dass es diese überhaupt noch gibt…?!?
Eine Reihe königlicher Palmen bildet auf einer Straßenseite eine halbe Allee, während auf der anderen Seite Rinder stoisch am Rand grasen. Es ist einfach nur herrlich…

DAS HOTEL MARIA LA GORDA

Als wir nach ca. fünf Stunden in Maria la Gorda ankommen, weiß ich sofort, warum ich immer wieder gerne zu diesem Ort zurückkehre. Hinter der Rezeption schimmert bereits der grellweiße Sandstand durch und das Blau des karibischen Meeres ist einfach nur überwältigend.  

Das Hotel ist einfach, das gilt es klar herauszustellen. Es gibt keinen Pool, die Zimmer sind ok, aber eher basic, das Essen ist – wie überall in Cuba – maximal mittelmäßig und man sieht hier und da, dass die Anlage auch nicht nagelneu ist. Maria la Gorda gehört zu der staatlichen Hotelkette Gaviota und dass hier mal jemand durch das Hotel geht, Mängel feststellt und diese auf eine To-Do-Liste setzt, ist utopisch. Das sollte man wissen und mit der richtigen Erwartungshaltung anreisen. 

Wer dies aber alles in Kauf nimmt und damit umgehen kann, wird mit einem traumhaften, unberührten und kilometerlangen Strandabschnitt, sowie kristallklarem, türkisblauen Wasser belohnt. Die Palmen rascheln im Wind wie Beruhigungsmusik, Animation gibt es nicht und Handys bleiben hier stumm – Wifi funktioniert nämlich nur an der Rezeption.

TAUCHEN IN MARIA LA GORDA

Viele Urlauber kommen nach Maria la Gorda wegen der vorgelagerten Tauchgebiete, die meiner Meinung nach die besten in ganz Cuba vom Festland sind. Hier gibt es keine Jetskis, keine Fischerboote und keinen Fährbetrieb, der die Unterwasserwelt stören könnte. Die Riffe sind vollkommen intakt und die Artenvielfalt ist dementsprechend mehr als gewaltig. 

Die Tauchguides tragen ihren Teil zur herrlich karibischen Atmosphäre bei, in dem sie zu jeder Zeit gute Stimmung verbreiten und die Gäste auf ihre eigene, lustige Art abholen. Martin, den ich schon seit vielen Jahren kenne, trägt sein bestes Strahlen und interpretiert den Begriff „Tauchplatzbriefing“ etwas anders, und zwar in dem er komplett natürlich eine kleine Gesangseinlage einbaut. Das können so einfach nur Cubaner! 

Unter Wasser begrüßt mich zunächst ein riesiger Schwarm Schnapper, gefolgt von einem massigen Lobster, der mühevoll über die Korallen krabbelt. Zwei Rochen faulenzen im Sand und ein Ammenhai versteckt sich in einem Canyon. Gerade weil es hier keinerlei Strömungen, sondern nur sensationelle Sichtweiten gibt, ist das Tauchen in Maria la Gorda so wunderbar entspannt. Vormittags wird etwas tiefer getaucht, mittags und nachmittags dann eher flacher, wobei man nach jedem Tauchgang zurück ins Hotel kommt und dazwischen fantastisch die wärmende Sonne genießen kann. 

SONNENUNTERGANG MARIA LA GORDA

Ansonsten schaltet man hier auf eine unvergleichliche Art und Weise sehr schnell ab. Der üppige Palmenwald am Strand spendet willkommenen Schatten, die Sonnenstrahlen kitzeln hin und wieder die Beine und die heruntergefallenen Kokusnüsse werden als Erfrischung von den Tauchguides aufgesäbelt. Ich finde die Atmosphäre hier ist wirklich einzigartig und unbedingt empfehlenswert!

Ab nachmittags finden sich fast alle Gäste an der rustikalen Beachbar neben der Tauchbasis ein, um bei einem frisch gemischten Rumgetränk den unfassbar, farbenreichen Sonnenuntergang zu erleben. Wenn der erst gelbe und später orangene Feuerball im Wasser versinkt, könnte es kaum besser nicht sein. Es ist wirklich kitschig schön.       

WEITER GEHT ES NACH VIÑALES

Nächste Station ist schließlich das bedeutendste Tabakanbaugebiet Cubas, und zwar das weltberühmte Tal von Viñales. Über die Provinzhauptstadt Pinar del Rio geht es in dieses vergleichsweise kleine Dorf und auch hier ist die Fahrt wieder ein echtes Highlight. Die Landschaften leuchten in allen erdfarben und das großflächige Grün bietet einen perfekten Kontrast. Dabei sind die Straßen allerdings teilweise so abenteuerlich schlecht, dass man fast mit 45 Grad im Graben hängt. Cuba eben. 

Wer meine bisherigen Reiseberichte gelesen hat, weiß ich dass ich mich schon immer darüber gewundert habe, wie viele Leute in Cuba am Straßenrand stehen und vermeintlich auf den Bus warten. Das Problem war bisher nur, dass ich nie den erwarteten Bus oder eine andere Mitfahrgelegenheit gesehen habe, sprich, das „Zusteigen“ habe ich bislang nie beobachten können. Nun, dieses Mal habe ich es erfreulicherweise erstmals aktiv gesehen, dass Wartende auch mitgenommen wurden! Einfach so. Quasi Uber for free. Sei es hinten auf dem Mofa. Auf dem Viehtransport auf der Ablage. Dem Kipplaster. Oder dem Auto. In Cuba ist Vieles anders…

DER ORT VIÑALES

Obwohl das Dorf Viñales erstaunlich klein ist, handelt es sich zweifellos um eine der Top-Attraktionen in Cuba, was vor allem an den umliegenden Tabakfeldern liegt. Man könnte ja meinen, dass der Tourismus und die damit verbundenen Besucher ein kleines Dorf in eine Stadt verwandeln, aber das ist hier erfreulicherweise nicht geschehen. Das Zentrum besteht deshalb auch immer noch nur aus einer Hauptstraße von der kleinere Gassen abzweigen. Hier findet man viele kleine offene Cafés, Restaurants, Dachterrassen und auch Kunsthandwerk. Genau dieser Umstand hat bei mir sofort den vergleich mit dem balinesischen Ort Ubud hervorgerufen, was ich wirklich sehr treffend finde. 

Für mich fühlt sich Viñales auf Anhieb wie aus einer anderen Zeit an. Wo sonst gilt beispielsweise eine Kutsche noch als offizielles Fortbewegungsmittel?! Gefühlt ist der Ort ein einziger, großer Bauernhof, denn Hühner, Küken, Schweine und Rinder laufen überall kreuz und quer über die Straßen. Junge Burschen, die bei uns ganz sicher an ihrer Influencer-Karriere basteln, schneiden hier die Hecken. Ich liebe diese Atmosphäre, weil alles eine gewisse Ruhe ausstrahlt. 

CASAS PARTICULARES

Was Viñales aber unter anderem auch so besonders macht, ist die Tatsache, dass es eigentlich nur drei Hotels gibt, wobei sich diese nicht im Ort selbst, sondern eher in einer spektakulären Hanglage befinden und über eine sagenhafte Aussicht über das Tal und die teilweise bizarr wirkenden Karstkegel (so genannte Mogotes) verfügen. Die meisten Touristen übernachten in Viñales eher in den mittlerweile etablierten und deutlich günstigeren Casas Particulares. Dabei handelt es sich um äußerst charmante Privatunterkünfte, die erst seit ein paar Jahren in Cuba erlaubt sind. 

Sprich, wenn in Cuba jemand auf seinem Grundstück einen ungenutzten Bungalow hat, darf er diesen nun über Air BnB vermieten – was für cubanische Verhältnisse eine riesige Veränderung darstellt. Denn dadurch kann man zum einen nebenher Geld verdienen und zum anderen wenn man seine Unterkunft besonders schön gestaltet, die Gäste freundlich betreut, dementsprechend gute Bewertungen bekommt und vielleicht dadurch nochmal mehr Buchungen bekommt, wird Leistung ja schließlich doch belohnt! Eine ganz spannende Entwicklung. Die Casas (man kürzt sie praktischerweise einfach so ab) gibt es bereits etwas länger, aber es hat durchaus gedauert, bis das System auch wirklich in der Praxi funktioniert hat. 

Ich wohne bei Yuneyka, die in ihrem Garten mehrere Cabañas und Zimmer anbietet und ich bin von der ersten Sekunde absolut begeistert. Klar, die Ausstattung ist eher einfach, denn logischerweise können die Cubaner nicht einfach im Baumarkt die neuesten Duschköpfe kaufen, aber alles ist sauber, gepflegt und einen Ansprechpartner zu haben, der Tipps geben, Ausflüge buchen und sogar Geld wechseln kann, ist absolut fantastisch! Es werden sogar Frühstück und Abendessen angeboten, was jeweils absolut hervorragend ist. Ich mag den Kontakt zu den cubanischen Familien sehr und kann diese Art der Unterkunft in Cuba jedem nur wärmstens empfehlen. In Havanna sind es dann eben keine Bungalows, sondern Wohnungen, aber auch diese sind wirklich sehr ansprechend dekoriert. 

OLDTIMER-AUSFLUG

Ein Klassiker in Viñales ist eine Tour mit einem Oldtimer zu den umliegenden Attraktionen. Unser Fahrer heißt Carlos und er fährt sichtbar stolz mit seinem blank polierten Oldtimer an unserer Casa vor. Yuneyka war so freundlich und hat uns hier bei der Organisation kurzfristig geholfen. Schon toll zu sehen, dass selbst solch spontane Ideen wunderbar umgesetzt werden können. 

Bei dieser kleinen Rundfahrt besucht man einen halben Tag lang verschiedene Höhlen (Cuevas del Indio & Cueva San Miguel), ein riesiges Wandgemälde (Mural de la Prehistoria), einen tollen Aussichtsspot und sogar eine Tabakfarm. Das Ganze ist ein Riesenspaß und sicherlich eine der besten Aktivitäten rund um Viñales…

REITAUSFLUG

Das für mich aber größte Highlight kommt aber erst noch! Nachdem ich schon die ganze Zeit die Cowboys bewundert habe, wie sie wie in alten Filmen über die Felder reiten, wollte ich unbedingt auf einem Pferd die Plantagen von Viñales erkunden. Erfreulicherweise haben wir hier einen Kontakt für eine lokale Agentur, die solche und ähnliche Touren anbietet. 

Als uns Tati abholt und sich als unser Guide für diese Ausflug vorstellt, weiß ich sofort, dass das Ganz ein Volltreffer ist. Ein waschechter Cowboy mit Handflächen so groß wie Brasilien, einem breitbeinigen Gang und einer ledrigen Haut, die offensichtlich sehr viel Sonne gesehen hat. Bei seinem breiten Lachen sind Kummer und Sorgen sofort weg. Er sattelt noch schnell unsere Pferde und los geht es. 

Als wir durch die schmalen, sandigen Trampelpfade reiten und sich links und rechts weite Flächen voller Tabakpflanzen auftun, bin ich einfach nur überwältigt. Diese satten Orange und Brauntöne kenne ich so eigentlich nur aus Afrika. Die Pferde bewegen sich ganz gemächlich vorwärts, was perfekt ist, denn so kann man die Umgebung noch besser genießen. 

Auch hier besuchen wir eine Tabakfarm, allerdings in ihrem Wesen ganz anders, als die von der Oldtimer-Tour. Hier erreichen wir zwei kleine Hütten mitten im Nirgendwo und der rustikale Charme inmitten der großen Felder ist einfach nur wunderschön.  

Der Farmer ist unschlagbar, ein irre witziger Typ (im Fußball-Trikot), der Sprüche am laufenden Band klopft. Er zeigt uns wie die Blätter gewickelt werden, was es mit dem Außenblatt auf sich hat, dass der Klebstoff von der Guave stammt, wie das Abschlussblatt als Halbmond ausgeschnitten und die kreisförmige Öffnung ausgestochen wird. Dazu gibt es anschließend eine Zigarre, bei der wir Honig am Ende verwenden, um jeglichen Bittergeschmack zu vermeiden, und einem lokalen Rum. Als wir fragen, ob wir ein paar Zigarren kaufen können, ist er fast ein bisschen erstaunt und holt ein paar wenige, frisch gerollte Zigarren aus einem Kästchen. Natürlich sind Original-Cohiba ein super Souvenir, aber solch „frische“ Zigarren, die gefühlt direkt vom Feld kommen, sind natürlich auch etwas ganz Besonderes. 

Anschließend geht es noch zu einer kleine Rumverkostung, wo Tati mit den Inhabern herumscherzt. Für mich hört es sich so, als ob sie sich gegenseitig aufziehen und prahlen, nach dem Motto „Mein Huhn, mein Schwein, mein Pferd“. 

Ich liebe einfach alles an Viñales, denn es gibt noch jede Menge weitere, mögliche Unternehmungen. Abends, wenn sich alle Besucher im Zentrum von Viñales auf der Straße über den Weg laufen, sieht man eigentlich nur glückliche Gesichter. Dieser Ort ist definitiv ein sehr spezieller in Cuba.   

RÜCKFAHRT NACH HAVANNA

Der letzte Halt ist schließlich Havanna und bis dahin müssen wir wieder durch Pinar del Rio fahren, um von dort auf die Autobahn zu gelangen. Was mir sehr positiv auffällt ist, dass hier sogar Autos zum Überholen vom Vordermann vorbei gewunken werden. In Deutschland würde ich das als nahezu undenkbar einstufen. In Cuba läuft alles einfach etwas entspannter ab. 

Was mir dagegen eher negativ auffällt, ist dass der Blinker unseres Autos piepst, als ob mein Wecker sauer auf mich wäre. Und die Stoßdämpfer quietschen so laut, dass ich direkt den entsetzten Blick von Herrn Seirer, der Meister meiner Autowerkstatt, vor mir habe. In Cuba ist das allerdings Alltag, was gleichbedeutend mit „nicht der Rede wert“ ist. 

Pinar del Rio ist im Übrigen ein nettes Städtchen, das man sich durchaus mal anschauen kann. Richtig viel Zeit würde ich hier zwar nicht unbedingt einplanen, aber Fotomotive finden sich hier in jedem Fall reichlich. 

Als wir die Autobahn erreichen und gerade beschleunigen wollen, läuft ohne jeglichen Zeitdruck eine Kuh über die Autobahn. Auch irgendwie ein außergewöhnliches Bild, das Cuba ganz gut beschreibt. 

CASA PARTICULAR & PIZZERIA IN HAVANNA

Wieder zurück in Havanna bin ich schon auf meine Casa Particular gespannt, denn hier hatte ich bisher immer drei klar favorisierte Hotels, weshalb dies also meine Premiere sein wird. Und genau wie in Viñales bin ich auch hier komplett begeistert!

Wie bereits weiter oben erwähnt handelt es sich um eine kleine Wohnung, allerdings in einem wirklich charmanten Reihenhaus. Die Deko, der Innenhof und die herzliche Betreuung der Gastgeberfamilie sind so angenehm, dass die weniger gedämmten Fenster nicht sonderlich schwer ins Gewicht fallen.

An solchen Feinheiten merkt man natürlich schon einen Unterschied gegenüber eine Hotel, aber zum Glück befindet sich die Casa in einer Seitenstraße, so dass mir der Straßenverkehr kaum auffällt. 

Alles in allem bin ich richtig happy mit der Wahl und vor allem, wenn man berücksichtigt, dass man nur einen Bruchteil von dem bezahlt, was man für ein Hotel mitten in der Altstadt berappen müsste, ist das wirklich eine großartige Sache.

Ein weiterer, zufälliger Vorteil ist, dass ich quasi aus der Casa heraus und in ein fabelhaftes Restaurant nur drei Häuser weiter hinein falle.

Es handelt sich um einen kleinen Italiener mit einlandender Terrasse und einer sehr appetitanregenden Karte. Ich bestelle mir eine super leckere Thunfisch-Pizza und der Chef selbst kommt direkt nachdem sie serviert wurde, nochmal inspizierend vorbei und kontrolliert die Zubereitung. Mit einer zufriedenen Geste und einem lächelnden „Perfecto“ überlässt er mich der herrlich krossen Pizza.

Ganz ehrlich, das wäre so vor 6-7 Jahren völlig undenkbar gewesen. Die Gastronomie hat gerade in Havanna deutlich zugelegt – an Qualität und Quantität.  

SIGHTSEEING IN HAVANNA

Auch wenn ich schon viele Male in Havanna war und alle Sehenswürdigkeiten bereits mehrfach besichtigt habe, so ist es doch jedes Mal aufs Neue spannend für mich durch die Altstadt zu spazieren. DENN, Havanna ist ständig im Wandel. Mal wird viel gebaut, mal verfallen Gebäude. Mal fegt ein Hurricane über die Stadt und eine soeben abgeschlossene Renovierung muss von Neuem begonnen werden. Es ist ein ständiges Auf und Ab an Veränderungen.

Am deutlichsten ist dies rund um den Parque Central zu erkennen, denn zwischenzeitlich war ich sehr traurig, wie sich dieser eigentlich majestätische Platz entwickelt hat. Nachdem es zwischenzeitlich unter der Obama-Regierung gewisse Einreiselockerungen für Amerikaner gegeben hat, wurden sehr schnell sehr viele Hotels hochgezogen. Das ist selten so richtig gut, aber klar, die Euphorie war in Cuba spürbar und nachvollziehbar. Mit der ersten Amtszeit von Donald Trump wurden dann jedoch viele Projekte wieder gestoppt und „bis auf Weiteres“ pausiert. Nun helfen solche Unterbrechungen nur sehr selten der „positiven Entwicklung“ von Gebäuden, weshalb ein ganz bizarres Bild entstanden ist. Mittlerweile sind die größten und luxuriösesten Hotels zwar fertig gestellt, aber sie passen eben nur sehr bedingt ins Bild dieser offenkundig alten Altstadt. 

DIE ALTSTADT VON HAVANNA

Mein bester Hinweis für den Besuch der Altstadt von Havanna ist immer sich „treiben zu lassen“. Das sagt man immer so leicht, aber was bedeutet das in der Praxis. Nun, ich würde sagen, dass man einfach ohne zeitlichen Druck durch die Straßen schlendert und dabei die besondere Atmosphäre dieser einzigartigen Stadt aufsaugt. Natürlich gibt es bestimmte Spots und Sehenswürdigkeiten, die man auch unbedingt besuchen sollte, aber der Weg dahin ist ja flexibel. Das Besondere ist, in Havanna wird man sicherlich nicht durch irgendwelche Geschäfte abgelenkt, denn die gibt es schlichtweg ist. Es sind die alten, teilweise reich verzierten Gebäude, die bizarr sauberen, aber auch irgendwie heruntergekommen wirkenden Gassen, die Wäscheleinen auf den Balkons, die vielen Farben der Häuser, die aus den Wohnungen schallende Musik und die seltsamsten, sich einfach ergebenden Bilder. Wenn mitten auf der Hauptstraße auf einmal ein Auto mit offener Motorhaube steht und der Inhaber wie selbstverständlich in aller Seelenruhe darin herumschraubt, ist das einfach eine irgendwie unwirkliche Situation. 

Wer mag, ich habe mal einen Spaziergang durch die Altstadt von Havanna zusammengebaut, bei dem man die interessanten Locations besichtigt und zugleich ein bisschen etwas abseits der ganz gängigen Touristenströme sieht.

PLAZA DE LA REVOLUCIÓN

Eines der Highlights von Havanna befindet sich nicht direkt in der Altstadt, allerdings kann man hier wunderbar aus der Not eine Tugend machen. DENN, einmal mit einem Oldtimer durch die Stadt zu cruisen ist definitiv etwas ganz Besonderes. Ich vermute einfach mal, dass es das SO nur (noch) hier in Cuba gibt. Insofern kann man wunderbar am Parque Central eine Tour mit einem solchen Schmuckstück buchen, um den Plaza de la Revolution zu besuchen. Meistens fahren dann die stolzen Inhaber selbst und bieten, erzählen auch ein paar Geschichten und helfen bei den diversen Posen im Cabrio vor dem Che Guevera-Abbild.

Havanna ist insofern eine Stadt ohne DEN einen Instagram-Hotspot, dafür sind die Oldtimer verständlicherweise das beliebteste Fotomotiv.

EISDIELE COPPELIA & HOTEL NACIONAL

Wer Städte gerne zu Fuß erkundet, dem würde ich auf jeden Fall einen Spaziergang an der Uferpromenade Malecón empfehlen, denn nirgends spielt sich das Leben von Havanna so herrlich offen und sympathisch ab, wie hier an einem späten Nachmittag direkt am Meer.

Mein Tipp wäre, zuerst mit dem Taxi zum weltbekannten Hotel Nacional zu fahren, dort entweder zu essen oder einen Kaffee zu trinken, um anschließend die fast noch bekanntere Eisdiele Coppelia zu besuchen. In meinem Reiseführer mit einer Auflage aus dem Jahr 2021, wird dieser beliebte Treffpunkt als futuristisches Gebäude bezeichnet, allerdings wirkt dieser Vergleich in etwas so, wie wenn man einen Sean Connery-James Bond-Film als Science-Fiction bezeichnen würde. Es handelt sich sicherlich um ein außergewöhnliches Bauwerk, aber der kommunistische Einschlag ist mehr als offensichtlich. In jedem Fall soll es hier das mietbeste Eis in Cuba geben, weshalb sich Einheimische schon mal eine Stunde dafür anstellen. Für Touristen gibt es tatsächlich eine separate und deutlich kürzere Schlange. Als ich an der Reihe bin, muss ich feststellen, dass es von den angekündigten vier Eissorten leider nur zwei verfügbare gibt, was das Erlebnis lustiger und cubanischer macht.

Anschließend kann man wunderbar am oben angesprochenen Malecón zurück in die Altstadt spazieren und so Cuba nochmal von einer ganz anderen Seite erleben.

FAZIT

Alles in allem, war es wieder einmal eine ganz außergewöhnliche Reise, denn Cuba ist und bleibt einfach ein einzigartiges Land. Ich kenne zumindestens nichts vergleichbares. Mir wurde nach meinem Aufenthalt ganz oft die Frage gestellt, was sich so verändert hat und ich kann unumwunden sagen: In Cuba ist noch alles „wie früher“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Das kann man je nach Blickwinkel so und so auffassen, aber für mich ist das eine gute Nachricht. In Cuba herrscht einfach noch diese karibische Lockerheit und eine charmante Nostalgie, was in krassem Widerspruch zu unserer schnelllebigen Smartphone-Welt steht. Man wird hier sehr schnell auf ein ruhigeres Level herunter reduziert, schon alleine, weil die Uhren hier anders ticken. Ich mag das. Sehr sogar. Für einen Urlaub in einer ganz anderen Kultur ist es wirklich genau das Richtige, denn nur so erlebt man dieses spezielle Land mit offenen Augen. Allerdings muss man sich auch darauf einlassen, was vermutlich nicht für jeden möglich ist. Wer aber mit der richtigen Erwartungshaltung anreist, wird Cuba sicherlich ebenso in sein herz schließen, wie ich es jedes Mal wieder aufs Neue tue.   

KOMMEN WIR ZUM ENDE…

Wie eingangs erwähnt, war dies meine tatsächlich schon 21te Reise nach Cuba und ich hatte irgendwie schon gewisse Zweifel, ob ich irgendetwas Neues zu erzählen habe, denn manchmal sind Geschichten ja auch irgendwann auserzählt. Umso erfreulicherweise war es für mich, dass mir wieder so unglaubliche viele und besondere Dinge aufgefallen sind, dass ich zwischendurch meine Gedanken kaum sortieren konnte. Das ist sicherlich auch ein Teil von Cuba…

Hoffentlich hattet ihr Spaß mit meinen Reiseerlebnissen und ich freue mich wie immer über jegliche Form von Feedback.

Alles Gute und herzliche Grüße

Euer

Johnny Bongo