Reisebericht Florida – Crystal River – Schnorcheln mit Manatees

  • Ein Roadtrip über New Orleans nach Florida ist eine super Variante!

  • Die Strände an der Golfküste Floridas zählen zu den schönsten der Welt.

  • Manatees sind Rundschwanzseekühe, die man am im Winter am Crystal River besonders gut beobachten kann.

  • Das Schnorcheln mit diesen zauberhaften Wesen ist ein einzigartiges Erlebnis!

Liebe Reisefreunde,

ich freue mich so sehr dieses Mal über einen ganz außergewöhnlichen Trip berichten zu können, denn ich muss ehrlich sagen, dass mich diese Reise wirklich im Herzen berührt hat.

ROADTRIP VON HOUSTON ÜBER NEW ORLEANS BIS NACH MIAMI

Dazu muss ich erwähnen, dass ich hier zwei Reisen miteinander verknüpft habe! Und zwar ich zuerst in den USA und habe einen großartigen Roadtrip von Houston über New Orleans den nördlichen Teil und die Karibikseite von Florida bis nach Miami unternommen. Danach ging es weiter nach Nicaragua und die Corn Islands, was eine der aufregendesten Touren meines Lebens war.

In diesem Bericht bleibe ich allerdings in den USA. Ich persönlich bin ja ein Riesenfan von Florida und habe lange überlegt, wie ich das Panhandle (also den oberen Bereich Floridas – Panhandle bedeutet übersetzt „Pfannenstil“) bereisen könnte. Die Variante über Houston anzureisen, dann weiter nach New Orleans zu fahren, um schließlich über die Bundesstaaten Mississippi und Alabama nach Florida zu gelangen, fand ich sofort sehr spannend. DENN: New Orleans ist eine überragende Stadt! Als Wiege des Jazz mit einer besonderen Küche und der weltbekannten Bourbon Street hat mir die Metropole am Mississippi River außergewöhnlich gut gefallen. Das Flair ist wirklich einzigartig.

Und auch der weitere Teil der Reise war mit den beeindruckenden Südstaaten-Heerenhäusern, den unendlichen Stränden und wunderschönen Städten wirklich etwas, das ich nie vergessen werde!

MANATEES IM CRYSTAL RIVER

Ziel meiner Reise war allerdings ein kleiner Ort im Norden der karibischen Seite von Florida!

Ich hatte ja bereits mehrmals die Florida Keys besucht und war mehr als begeistert – ich finde die Florida Keys einfach generell als Reiseziel super spannend, denn die Möglichkeiten sind sehr vielfältig, so dass man auch über Wasser jede Menge erleben kann. Aber, in Florida gibt es neben den Keys noch ein weiteres spektakuläres Unterwasser-Highlight. Man hat in Florida nämlich die Möglichkeit Manatees zu sehen!

Manatees bilden zusammen mit den Dugongs (die der ein oder andere vielleicht aus dem Roten Meer kennt) die Ordnung der Seekühe, wobei sie sich auffällig in ihrer Schwanzflosse, auch Fluke genannt, unterscheiden. Manatees haben eine runde Schwanzflosse, während die der Dugongs gespalten ist.

Das besondere ist natürlich die Größe der Manatees, denn sie erreichen eine Kopfrumpflänge von 2,5 bis 4,5 Metern! Dazu sehen sie einfach knuffig aus, das muss man wirklich sagen. Nun ist es so, dass sich auf der Golfseite Floridas, nur 1 ½ Stunden von Orlando entfernt, vor allem in den Wintermonaten, eine Großzahl von Manatees im Crystal River eine Art zu Hause geschaffen hat. Die Manatees ziehen sich in der Zeit in die Verzweigungen des Crystal Rivers zurück, um den Winter in wärmerem Wasser verbringen zu können. Weltweit gibt es ca. 5.000 Manatees und über 1.000 davon leben im und am Crystal River!

Ich wurde schon öfter darauf angesprochen, ob es organisatorisch möglich ist, eine Kombination aus den Florida Keys und eben dem Crystal River zusammen zu basteln, weshalb ich mir  den Crystal River unbedingt mal ansehen und ich kann euch sagen, dass ich mich für jeden freue, der eine Begegnung mit diesen liebenswerten Seekühen erleben darf…

EINCHECKEN AN DER TAUCHBASIS

Da ich immer empfehlen würde Florida im Allgemeinen, aber vor allem bei den Florida Keys, per Mietwagen zu bereisen, bietet es sich an, nach Orlando zu fliegen, von dort zum Crystal River zu fahren (Fahrtzeit ca. 1 ½ Stunden), um anschließend Richtung Süden in die Florida Keys zu „cruisen“. Ein super Reiseablauf, denn Florida hat so viel zu bieten.

Als ich in Crystal River ankomme (Crystal River ist sowohl der Name für den Fluss, als auch für den Ort, der sich an dem Fluss befindet), sehe ich sofort, dass die Manatees hier eine große Sache sind, denn ein Schild mit der Aufschrift „Crystal River – Home Of The Manatees“ begrüßt mich. Am Straßenrand sieht man viele Figuren, Schilder und Plakate von den Helden des hiesigen Flusses, allesamt völlig einzigartig. Sogar ein übergroßes, lachendes Manatee mit Sonnenbrille und Tropicana-Shirt winkt mir am Straßenrand zu. Hier bin ich richtig, so viel steht fest.

Als ich mich für die Tour am nächsten Morgen eintrage, kündigt mir der Leiter der Tauchstation direkt an, dass ich alleine sein werde, sprich eine exklusive Tour bekomme. Das verwundert mich, schließlich ist gerade die beste Reisezeit (Dezember bis April), um die freundlichen Grasknabberer zu besuchen. Aber umso besser, denke ich mir, je weniger Leute, desto gastfreundlicher werden die Manatees sein. Der nächste Hinweis ist dafür umso unsympathischer, denn Treffpunkt für die Tour ist um 6.15 Uhr morgens. Gute Nacht!

Als ich am nächsten Morgen beim Frühstück sitze und mir klassisch amerikanisch einen French Toast mit Bacon genehmige, geht gerade die Sonne auf und der Himmel wird hellblau. Super Bedingungen, außer, dass die Außentemperaturen noch etwas frisch sind. An der Tauchbasis angekommen, begrüßt mich der Kapitän, ein bärtiger Seebär, der ideal zur anstehenden Tour passt. Er legt mir ein Video ein, welches mich auf die kommenden Stunden vorbereitet, denn es wird erklärt, was man darf und was man tunlichst vermeiden sollte. Natürlich darf man die Tiere nicht berühren, sie nicht erschrecken, sie nicht einkreisen, ihnen nicht den Weg abschneiden oder sich zu schnell bewegen. Manatees sehen sehr schlecht, dafür haben sie aber feine Haare am ganzen Körper, die wie Detektoren funktionieren und sie über jede Aktion in ihrem Umfeld in Kenntnis setzen. Der Schutz der Manatees wird im Crystal River großgeschrieben, dieses Gebiet soll kein Zoo sein, sondern die Tiere sollen weitestgehend ungestört leben können. Es gibt sogar Überwachungskameras unter Wasser und man bekommt eine Strafe, wenn man zum Beispiel ein schlafendes Manatees weckt oder erschreckt – eine gute Sache wie ich finde. Dennoch bin ich gespannt wie die Begegnung mit den Manatees bei so vielen „Don`ts“ ablaufen wird. Als ich das Video fertig angesehen habe, lacht mich der Seebär an und meint, dass das im Video nur Theorie ist. Die Manatees seien, so sagt er, lustige, fast schon abenteuerlustige Gesellen und suchen sogar den Kontakt. Hä? Und das Video? Er scheint wohl meine Gedanken zu lesen oder aber mein Gesichtsausdruck ist entsprechend seltsam, weshalb er nachlegt und mir erklärt, dass die Manatees sich quasi ihre Spielfreunde heraussuchen, sprich sie lassen es mich spüren, ob sie Spaß daran haben mit mir zu planschen oder aber ob sie mich eher wie beim Wählen des Eishockeyteams in der Jugend früher als letzten auswählen würden, weil ich überhaupt nicht Schlittschuhlaufen kann. In dem Fall schwimmen sie schneller oder aber tauchen einfach ab. Wenn mich ein Manatee allerdings ganz besonders klasse findet, dann dreht es sich sogar auf den Rücken und will am Bauch gestreichelt werden. Das ist doch mal ein Ziel, so einen Spielkameraden versuche ich heute im Crystal River zu finden.

ERSTER STOPP: DIE DISCO

Klasse, es kann los gehen! Leider erwische ein Temperaturtief, denn das Wetter ist schön, aber es ist frisch, um nicht zu sagen kalt. Sich da um 7 Uhr morgens in den Neoprenanzug zu winden, um gleich ins Wasser zu gleiten, ist erst mal keine Wunschvorstellung. Aber die vorfreudige Aufregung schiebt jeden kritischen Gedanken beiseite.

Als ich alleine mit Kapitän Seebär auf dem Ausflugsboot durch den Crystal River fahre, hinterfrage ich mal wieder mein Karma, welches zuletzt ja außerordentlich positiv war, weshalb ich mir heute sicher bin, Manatees zu sehen.

Als erstes geht es zum Spielzimmer der Manatees oder auch „Disco“ genannt, sprich hier sind die Manatees unternehmungslustig und aktiv. Außer uns sind noch zwei weitere Boote in dem seeartigen Fluss auf der Suche nach den Hauptattraktionen. Es sind nur wenige Gäste, schön ruhig also. Getaucht wird hier übrigens nicht, nur geschnorchelt, was aber gar kein Problem ist, denn die Tiere befinden sich ohnehin nur an der Oberfläche. Rein ins Wasser, Schnorchel in den Mund los geht die Suche.

Ich stelle mir kurz vor, wen ich mir zum Spielen aussuchen würde, wenn ich ein Manatee mit Sensoren am Körper wäre: sicherlich niemanden, der wild strampelt und sich hektisch bewegt. Deshalb versuche ich ganz ruhig und entspannt im Wasser zu liegen, was mit dem dicken Tauchanzug erstaunlicherweise am Anfang gar nicht so leicht ist. Ich bin ein bekennender Warmwasser-Taucher und trage so selten wie möglich eine solch dicke Neopren-Pelle. Dementsprechend habe ich mit dem Gleichgewicht im Wasser ein wenig zu kämpfen.

Die Sicht ist schlecht, ich schätze mal einen Meter, was das ganze Unterfangen zum einen schwieriger und zum anderen spannender macht. Man schaut in den blau-grau-grünen Wassernebel und jede Sekunde könnte ein 4,5 Meter-Tier auf einen zu schwimmen. Aufregend! Ich schwimme und schaue, drehe mich und fange doch an ein wenig zu planschen. Mist. Ruhig bleiben und entspannt im Wasser liegen – das war die Devise. Ich schaue kurz aus dem Wasser, um vielleicht eine an die Oberfläche kommende, schnaufende Schnauze zu sehen, aber da ist nichts. Also wieder unter Wasser, dichtes Grün und kein Manatee. Meine Wasserlage beruhigt sich etwas und ich bilde mir ein, meine Umgebung wird etwas dunkler. Kommt da etwas auf mich zu? Tatsächlich, plötzlich taucht eines von diesen herzigen Gesichtern vor mir auf, aber viel langsamer, als ich es vermutet hatte. Ich hatte tatsächlich befürchtet, dass ich vielleicht einfach weggepflügt werde, wie Schnee von einem Räumfahrzeug, aber dem ist nicht so. Das Manatee nähert sich ganz langsam, ja, es schaut mich erst mal genau an und wird noch langsamer, bis wir fast nur nebeneinander hertreiben. Unglaublich wie niedlich es ist und mich mit den Knopfaugen inspiziert. Dann wird es wieder etwas schneller, um gleich wieder langsamer zu werden. Und dann sehe ich auch den Grund, zwei weitere Manatees gesellen sich zu uns. Wir bleiben nur kurz zu viert, die anderen beiden ziehen nach einer kurzen Begegnung weiter, so als ob „mein“ Manatee mich den anderen nur kurz vorstellen wollte. Und dann passiert es, die Kuschelkuh dreht sich auf den Rücken und streckt mir ihren massigen Bauch entgegen. Natürlich bin ich gehemmt, schließlich soll ich die Manatees ja nicht berühren. Es rollt sich wieder zurück und stupst mich dabei seitlich an. Gleich darauf kommt nochmal die Streichelaufforderung und dieses Mal gebe ich nach. Fühlt sich lustig an und mein Spielkamerad lässt sich diese Einheit lange gefallen. Eine Stunde vergeht wie im Nichts!

Fast die komplette Zeit sehe ich Manatees, wie sie vorbeischwimmen, schauen, sich drehen und spielen. Fantastisch, was für ein Spaß! Der Seebär ruft mich ins Boot zurück, damit wir noch zum „Schlafzimmer“ der Manatees fahren können…

DAS SCHLAFZIMMER DER MANATEES

Das Schlafzimmer ist der Ruhebereich, hier schlafen die Seekühe, fahren ihre Körperaktivität, fast wie bei einem Winterschlaf, herunter, und werden etwas träge. Besonders in diesem Bereich passen Ranger auf, dass man sich nicht störend verhält.

Die Fahrt führt uns in einen tieferen Zweigbereich des Crystal River und das Wasser wird deutlich klarer. Wir können vom Boot aus schon richtig viele Manatees beobachten, wie sie entweder auf dem Weg ins Schlafzimmer sind oder aber sich in Richtung Disko aufmachen. Erstaunlich zackig sind sie dabei teilweise unterwegs und der Kapitän erklärt mir, dass Manatees bis zu 25 km/h schnell werden können! Das hätte ich diesen behäbig wirkenden Wesen nicht wirklich zugetraut. 500 kg verteilt auf 4 Meter mit einer solchen Geschwindigkeit? Nicht schlecht.

Als die zweite Runde beginnt, ist es unter Wasser gleich komplett anders, vor allem weil die Sicht so gut ist. Hier sehen wir Manatees kommen, wie sie uns passieren oder aber irgendwie anders beschäftigt sind. Wir schwimmen durch eine Art Bachlauf in ein ruhigeres Gewässer und ich erkenne jetzt, dass dies hier das eigentliche Schlafzimmer ist. Ich bewege mich ganz ruhig, um ja kein schlafendes Manatee zu wecken. Sie liegen ganz ruhig am Grund, teils alleine, teils zusammengekuschelt, Kinder bei ihren Mamis und manche scheinen sogar im Wasser zu schweben. Unglaublich diesen großen Tieren so nahe zu kommen und sie in Ruhe beobachten zu können.

Wir drehen eine Runde und schauen einer Mutter zu, wie sie sich mit den vorderen Flossen um ihr Kleines kümmert. Sensationell und herzerwärmend. Auf dem Rückweg stoßen wir auf eine Gruppe „schlafloser“ Manatees, die scheinbar richtig lustig drauf sind. Sie umkreisen uns und rumpeln förmlich in uns hinein. Ich kann gar nicht ausweichen, so oft dotze ich links und rechts gegen einen massiven Bauch. Aber genau das scheint ihnen zu gefallen, ein Manatee stupst mich wie ein Hund mit der Nase an, man könnte fast meinen, es küsst mich. Ich muss in meinen Schnorchel hineinlachen, weil die Situation so unfassbar skurril ist. Umgeben von Manatees, die sich hastig um die besten Plätze, um mit uns spielen zu können, rangeln. Plötzlich fällt mir das Video ein, dass mir am Anfang gezeigt wurde und ich muss feststellen, dass die Manatees dieses Video offensichtlich nie gesehen haben! Sie berühren mich, sie bewegen sich schnell, sie erschrecken mich, sie schneiden mir den Weg ab… Eine Strafe sollte ihnen sicher sein!

Ich genieße die Zeit und merke wie ich einen leichten Muskelkater in den Backen vom Lachen im Schnorchel bekomme. Eine unvergessliche Stunde inmitten dieser faszinierenden Meeresbewohner, die ich mir in meinen Gedanken einrahmen werde. Auf dem Weg zurück ins Boot überholt mich eine Manatee-Mutter mit ihrem Baby direkt unter mir und ich bekomme nochmal eine tolle Perspektive auf diese beiden Tiere, wie sie ihre Flossen bewegen und ganz mühelos an mir vorbeigleiten.

Auf dem Boot zurück ist mir derart kalt, dass ich zittere wie Espenlaub. Der Kapitän serviert mir eine heiße Schokolade, aber ich verschütte die Hälfte, weil meine Hände selbst mit der Tasse in der Hand so heftig wackeln. Dafür bin ich richtig glücklich über das gerade Erlebte. Was für eine großartige Begegnung! Ab sofort zählen Manatees mit zu meinen Lieblingstieren, denn niemals hätte ich geahnt, dass diese Brummer so herzberührend lieb sind und man so viel Spaß mit ihnen haben kann.

HOTEL PLANTATION ON CRYSTAL RIVER

Beim Hotel habe ich mich für das Crystal River Plantation Resort entschieden, denn es bietet das für mich beste und angenehmste Paket.

Direkt am Hotel gibt es eine Tauchbasis mit eigenem Anlegesteg, so dass man direkt von dort die Manatee-Tour starten kann. Kein Umpacken, keine Fahrerei, einfach zum Wasserzugang des Hotels gehen und ins Boot hüpfen.

Am Hotel selbst gibt es zahlreiche Parkplätze, was für die Mietwägen sehr angenehm ist, die Zimmer sind ansprechend und das Frühstück ist selbst sehr früh morgens äußerst lecker.

Zudem ist das Hotel preislich interessant, was das Ganze wunderbar abrundet.

AUSKLANG

Ein tolles Ziel, in jeder Hinsicht. Natürlich verbringt man hier nicht einen ganzen Urlaub, aber ein paar Tage sind sicher gut investierte Zeit. Wie gesagt: als Kombination mit den Florida Keys ideal oder aber man verbindet es sogar mit unserem ganz anderen Zielgebiet…

Alles Gute und herzliche Grüße

Euer

Johnny Bongo