Cuba – meine Heimat in der Karibik
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Cuba ist ein außergewöhnliches Land – mit sehr herzlichen Menschen.
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Eine gewisse Nostalgie ist überall spürbar.
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Mich verbindet seit über 20 Jahren eine ganz besondere Geschichte mit Cuba und genau diese möchte ich hier erzählen.
Die Anfänge im Tourismus
Cuba – meine erste Fernreise. Meine erste berufliche Reise. Ich war Auszubildender und durfte mit meinem damaligen Chef und Inhaber der Firma gemeinsam nach Cuba reisen. Es war der Juni 1999 und ich verpasste damit meinen Geburtstag zu Hause und zwei für mich damals sehr wichtige Tennis-Punktspiele. Auf dem Flug von München nach Frankfurt bot mir mein Chef das Du an und ich denke, das war so etwas wie der richtige Beginn meiner beruflichen Identifikation. Ich sollte das Zielgebiet kennenlernen, das für die Firma so wichtig ist, unser absolutes Spezialgebiet. Cuba! Nautilus war der erste Veranstalter, der Reisen nach Cuba anbot. Entsprechend schwer wiegt bis heute der Name Nautilus im cubanischen Tourismus. Die meisten Cubaner, die damals im Tourismus arbeiteten, kannten den Namen Nautilus. Als ich also auf dem Condorflug nach Havanna saß und zum ersten Mal einen Film im Flugzeug sah, war ich etwas traurig über all das, was ich zu Hause verpassen würde, zugleich aber aufgeregt wegen dem, was ich kennen lernen sollte. Fast zwei Jahre lang hatte ich zu dem Zeitpunkt Cubareisen schon an unsere Kunden verkauft, als ob ich selbst da gewesen wäre, so sehr hatte ich mich mit diesem Land befasst. Dennoch, ich war jung und war nicht sonderlich weit gereist, insofern war alles, das ab jetzt kommen sollte, etwas komplett Neues für mich.
Meine erste Cuba-Reise
Als ich in Havanna ankam und direkt weiter zum Inlandsflughafen für den Weiterflug auf die Schatzinsel – unserem damaligen Bestseller – gebracht wurde, war ich überrascht, fast enttäuscht. Alles sah sehr alt aus, eigentlich genauso wie in der DDR, die ich in meiner Kindheit oft besucht hatte. Klar, ich hätte es wissen müssen, der Sozialismus, genau wie in der DDR, aber wenn man von einer Fernreise träumt, sehen die Bilder erstmal anders aus. Das inländische Flugzeug war eine Klapperkiste, es hat gerumpelt und die Verschlüsse der Handgepäckfächer hielten kaum. Unser Taucherhotel Colony auf der Schatzinsel war schön, aber dennoch irgendwie etwas „verstaubt“. Trotz der vielen Bilder, die ich kannte, anders als erwartet. Und dann änderte sich plötzlich etwas in meiner Wahrnehmung, was ich bis heute nicht vergessen habe. Einige der Angestellten begrüßten mich so herzlich und freundlich, wie ich es nirgends sonst erlebt habe. Ich fühlte mich wie zuhause. Mein Geburtstag war ein Geburtstag ohne meine Freunde, dafür mit cubanischen Freunden. Es gab klebrig süßen Kuchen, Rum-Cola und Musik. Ich hatte unglaublich viel Spaß. Die fülligen Tauchguides haben mich in dem Arm genommen und drückten mich an sich, obwohl das durch ihre großen Bäuche kaum möglich war. Meinen Namen kann bis heute niemand korrekt aussprechend und aus Jan Thies wurde schnell so etwas wie „Jantei“ – warum auch immer. Das Tauchen war große Klasse, zum ersten Mal tauchte ich in den Tropen und war begeistert. Die Tauchguides adoptierten mich quasi und zeigten mir mit viel Euphorie und Leidenschaft alles, was sie in den letzten 20 Jahren entdeckt hatten.
In Cuba unterwegs
Wieder zurück am Festland unternahm ich eine Rundreise und mir wurde von unserem Vertragspartner eine ebenfalls sehr herzliche und freundliche Reiseleiterin zur Verfügung gestellt: Meirelis. Einmal hielten wir auf ihren Wunsch mitten an der Autobahn – keine Raststätte wohl gemerkt, sondern einfach auf dem Standstreifen – bei einer kleinen Bude an, an dem ein furchtbar altes und schwer aussehendes Gerät aus Eisen, lange Holzrohre verarbeitete. Mir wurde erklärt, dass es sich um frisch gepressten Zuckerrohrsaft, Guarapo, handelte. Um ehrlich zu sein, schmeckte das Zeug seltsam, aber irgendwie auch lecker. Ich wollte unbedingt ein zweites Glas trinken, was mir dann auf der Hälfte aber doch zu süß war. Eine etwas eigenartige, aber sehr nette Erfahrung – wo sonst würde es so etwas wohl geben? Als wir schließlich im Ort Cienfuegos, in Zentralcuba, ankamen, wollte mir Meirelis einmal zeigen wie Cubaner tanzen. Naja, um ehrlich zu sein, wissen wir vermutlich alle wie Cubaner tanzen, nämlich verdammt gut. Wir gingen also in eine der Diskotheken der Stadt und ich wunderte mich doch sehr, als sie auf einmal mit dem Chef des Ladens redete, dieser in die Mitte der Tanzfläche trat und ein Mikrofon von der Decke gelassen wurde. Die folgende Ansage verstand ich kaum, weil ich sehr schlecht Spanisch sprach, aber ich hörte irgendwann die Worte „Presidente de Nautilus“. Daraufhin wurde ich von Meirelis unter lautem und erwartungsfreudigem Beifall des Publikums auf die Tanzfläche begleitet und sollte mit ihr vor all den Cubanern tanzen. Eine klassische „Ich-möchte-mich-sofort-in-Luft-auflösen“-Situation. Ich brauche vermutlich nicht zu erwähnen, dass ich mich komplett zum Affen gemacht habe. Ich hatte vorher gesehen, wie die Cubaner tanzten, aber vermutlich haben sie ein paar Rückenwirbel mehr als wir, denn die Bewegungen, die ich gesehen hatte, konnte ich definitiv nicht nachmachen. Nicht mal ansatzweise. Unterm Strich war diese Reise für mich unfassbar spannend, aufregend und besonders. Ich würde überall herzlichst empfangen und genoss jede Sekunde. Die Städte waren außergewöhnlich, die Musik hat mich begeistert und das Tauchen war überragend. Meine anfängliche Enttäuschung war vergessen und ich nahm viele unvergessliche Erinnerungen mit nach Hause.
Wie ich das Land lieben gelernt habe
Seit dieser Reise war ich 18 weitere Male in Cuba und habe das Land lieben und schätzen gelernt. Die Häuser sehen immer noch alt aus, ich hatte unzählige Autopannen, weil die Schlaglöcher auf den Straßen teilweise knietief sind, und das Essen hat mir öfter schlecht geschmeckt, als der FC Bayern Deutscher Fußballmeister war. Außerdem kann ich mich noch an jene prägende Geschichte erinnern, als ein Taxifahrer mal eine halbe Stunde zu spät kam, weil „es gerade so ein spannendes Baseballspiel“ im Fernsehen gab. Ein super Argument natürlich, was ich vollends nachvollziehen konnte. Dass ich in der Zwischenzeit tausend Tode gestorben bin aus Angst meinen Flug zu verpassen: geschenkt. Und dennoch, ich liebe Cuba. Vor allem weil ich mich in Cuba immer wie zu Hause und nie als Gast fühlen durfte. Ich wurde einige Male spontan von Familien zum Essen eingeladen, habe Grillabende mit einem ganzen Dorf verbracht, wobei der Grill ein ausgehobenes Loch direkt vor der Haustür war, und ich spüre jedes Mal diese herzliche Freude, wenn ich zurück nach Cuba komme. Einmal war ich mit einer Gruppe in Cuba unterwegs und einer der Tauchguides auf der Schatzinsel nahm mich bei der Vorstellungsrunde in den Arm und sagte: Yo soy su Papá cubano / ich bin sein cubanischer Papa. Begleitet natürlich von einem Lachen, das ganze Tage retten kann.
Die Bindung zu Cuba ist bis heute geblieben
Tennis ist mein Herzenssport und ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich auf der Schatzinsel auf einmal einen Tennisplatz entdeckte. Mitten in der Hauptstadt! Es war eine einfache Betonfläche auf die Linien gemalt und ein Netz gespannt wurde. An den Seiten war der Platz nur viel zu kurz, was aber niemanden störte. Ich fragte die Trainerin, ob ich mal mit einem der Kinder spielen durfte und wie es der Zufall wollte, hieß das kleine Talent Jhann. Wir sind bis heute in Kontakt, worüber ich mich sehr freue…
Das Besondere an Cuba ist, dass die Zeit hier tatsächlich stehen geblieben ist, echten Fortschritt gibt es maximal beim Zigarrendrehen. Und dennoch übt dieses Land eine gewisse Faszination aus, die ich nirgends sonst kennen gelernt habe. Um eine Reise nach Cuba genießen zu können, muss man wissen, was einen erwartet, das ist völlig klar. Das Essen ist maximal mittelmäßig, der Service ist bemüht aber nicht gut, und Zuverlässigkeit ist ein Fremdwort. Wenn man diese Dinge locker nimmt, kann man die tollen Seiten umso mehr schätzen. Meine Empfehlung ist, schnappt euch einen Mietwagen, fahrt durchs Land und akzeptiert Fehler. Haltet auf Fahrten durch das Land immer den Fotoapparat bereit und lernt bei einem Transfer vorher den Satz „könnten wir bitte kurz für ein Foto anhalten“ auf Spanisch (¿podríamos parar para hacer una foto?), denn es gibt so viel zu sehen. Die Cowboys auf ihren Pferden, die Rinder auf den Äckern, die grünen Landschaften mit Tälern, die einem den Atem rauben, die alten Häuser in Havanna, die wie Kunstwerke aussehen, die cubanischen Opas und Omas, die eine dicke, fette Zigarre im Mundwinkel hängen haben und die Atmosphäre auf den Straßen, wenn irgendwo eine blecherne Stereoanlage Salsa-Rhythmen spielt. All das ist Cuba und ich liebe es…
Euer
Johnny Bongo

