Reisebericht Saba & St. Maarten

  • Der Flughafen von St. Maarten ist einer der spektakulärsten weltweit!

  • Saba ist keine typische Karibikinsel, sondern vulkanisch und komplett ohne Strände.

  • Das Tauchen ist auf Saba fantastisch – man sieht viele Schildkröten und auch Haie.

  • Auf Saba gibt es den höchsten Berg Hollands! Dementsprechend gut kann man hier wandern.

Liebe Reisefreunde,

der letzte Reisebericht ist noch gar nicht so lange her, aber es gibt ja noch ein zweites Gebiet, welches ich besucht habe und über das ich ebenfalls sehr gerne berichten möchte. Es handelt sich dabei um die Insel Saba, die mir über viele Jahre ans Herz gewachsen ist…

INTRO

Ich bin mir sicher, dass viele von Ihnen schon einmal von der Insel gehört haben, sei es in der allgemeinen Presse, in den Tauchmedien oder vielleicht sogar auf der Messe boot, wo die Saba Divers ja immer bei meiner Firma mit am Stand sind. Ganz wenige denken jetzt vielleicht sogar an Sabah in Malaysia, aber ich spreche hier von der Insel Saba, die zur Niederländischen Karibik zählt.

Wenn ich sage, dass mir ein Gebiet ans Herz gewachsen ist, dann klingt das vielleicht nach einer Floskel, aber dem ist hier definitiv nicht so. Als ich mein Firma Anfang der 2000er übernommen haben, hatten wir Saba gerade so mit dazu ins Programm genommen, allerdings war mir das Gebiet nicht wirklich bekannt. Auf meiner ersten Messe 2001 in Düsseldorf war es mir also wichtig Saba einmal auf den Grund zu gehen. Deshalb freute ich mich sehr, dass Barbara von den Saba Divers und dem dazu gehörigen Hotel Scouts Place ebenfalls auf der Messe boot war. Wir haben uns sehr nett und ausführlich unterhalten, weshalb für mich klar war, dass ich diese außergewöhnliche Insel schnell mal selbst kennenlernen musste. Denn wenn etwas besonders ist, dann sollte man auch wissen weshalb. Idealerweise auch nicht nachgeplappert, sondern weil man es selbst erlebt hat. Man kann also sagen, dass Saba eines meiner ersten „gescouteten“ Gebiete war…

Mein Besuch damals war dann große Klasse, es hat mir sehr gefallen und ich habe auf Saba meinen ersten Hai gesehen – so etwas vergisst man nicht. Seitdem haben wir Saba sehr gerne empfohlen und ich war einige Jahre später, sogar mit dem ARD Reiseratgeber vor Ort, was eine tolle Dokumentation mit sich brachte, in der ich 3,5 Millionen Zuschauern erzählen konnte, was Saba für mich so besonders macht. Saba ist also tatsächlich eine Herzensinsel von mir und ich freue mich, euch jetzt von meinem letzten Besuch dorthin erzählen zu dürfen…

ST. MAARTEN

Die meisten Berichte über Saba fangen mit der Anreise auf Saba an und das zu Recht, denn diese ist ziemlich spektakulär. Ich gehe aber einen Schritt zurück und würde gerne mit der Anreise auf St. Maarten beginnen, denn diese große Schwesterinsel ist das internationale Drehkreuz für die SSS-Inseln, zu denen neben Saba und St. Maarten auch noch St. Eustatius gehört. Der Flughafen von St. Maarten ist weltweit bekannt und das liegt nicht am kostenlosen WLAN oder den schönen Sitzbänken, sondern weil sich die Landebahn so dicht am Meer befindet, dass nur noch ein Strand und eine schmale Straße dazwischen passt. Der Strand ist erstaunlich schön und hat an den beiden flankierenden Enden Beachbars, von denen aus man wunderbar die Landeanflüge Maschinen beobachten kann. Auf einem alten Surfbrett stehen alle Ankunftszeiten der Airlines angeschrieben, wobei natürlich die großen Flieger am meisten Aufmerksamkeit erregen. Wenn so ein großer Brummer, lärmend über einen hinweg fliegt und kurz danach aufsetzt, vergisst man leicht die Piña Colada runterzuschlucken, denn das ist wirklich gewaltig. Spaßig ist es auch, wenn eine große Maschine startet, denn dann kann man beobachten wie die Handys, denen die Besitzer mit offenem Mund kurz keine Aufmerksamkeit schenken, durch die Luft fliegen, wenn die Turbinen angeschmissen werden. Und das ist kein Spruch, das passiert tatsächlich und Handys fliegen weit, das kann ich Ihnen sagen… Einige besonders heroisch veranlagte Suppenkasper hängen sich auch an die Zäune der Flughafenbegrenzung um „Turbinen-Windsurfing“ zu betreiben, wobei sie danach irgendwie gar nicht mehr wie Helden aussehen. Ebenfalls die Aussicht beim Anflug aus einem Flugzeug heraus ist einzigartig und ich kann nur jedem empfehlen, zu versuchen einen Sitzplatz am Fenster zu ergattern und die Kamera griffbereit zu haben. Wenn der zeitliche Übergang zwischen den Flügen nach Saba etwas größer ist und das Gepäck durchgecheckt wurde, kann man problemlos aus dem Flughafen hinaus und nach vorne zum Strand marschieren. Der Fußmarsch dauert ca. 20 Minuten, lohnt sich aber sehr.

ANREISE SABA

Der Flug von St. Maarten nach Saba ist dann das, was für einige Gäste großartig bis Weltklasse ist, während es Menschen ohne Flugaffinität als „unnötiges Abenteuer“ empfinden. Denn Saba ist nicht das, was man sich landläufig unter einer karibischen Insel vorstellt. Strände und Palmen sucht man hier vergebens. Es handelt sich nämlich um eine vulkanische Insel mit schroffen Klippen und grünen Berghängen, wie in den schottischen Highlands. Traumhaft anzusehen und ich bin mir sicher die wenigsten kennen solche Ausblicke (mich eingeschlossen). Die Beschaffenheit Sabas ist wirklich außergewöhnlich. Als ich 2002 das erste Mal hierher reiste und mein Flieger sich den Felswänden von Saba näherte, dachte ich, dass hier wohl der Film Jurassic Park gedreht wurde. Von Häusern oder Straßen ist keine Spur zu erkennen – wie in den Highlands eben… Und in den Highlands gibt es auch kaum Flughafenlandebahnen, was auf Saba aber elegant gelöst wurde – mit der kürzesten kommerziellen Landebahn der Welt, umgeben von Wasser und einer kleiner Landzunge. Piloten werden extra ausgebildet für diesen Flughafen, was mir sinnvoll erscheint. Es ist lustig jedes Mal die gespannten Köpfe zu beobachten, wie sie versuchen einen Blick auf den Anflug zu erhaschen. Wenn man auf der richtigen Seite des Flugzeuges sitzt (in Flugrichtung rechts) kann man sehr schön die Umrisse von Saba erkennen, die Insel als Ganzes betrachten und die tollen Hänge, sowie den tropischen Bewuchs sehen. Wie sich die ersten roten Dächer der weißen Häuser in das dunkle grün mischen. Wie das Flugzeug über eine Art Klippenvorsprung hechtet, um direkt danach auf die Landebahn hinunter zu segeln. Traumhaft, die Kameras klicken und die Videos werden wenig später ganz sicher bei Facebook gepostet. Ich saß dieses Mal auf der linken Seite und habe nichts als Blau und einem flackernden Propeller gesehen.

Angekommen auf Saba wird einem schnell klar, dass man sich hier auf einer provinziellen Insel befindet. Alleine der Name des Flughafens: Juancho E. Yrausquin – das ist kein Name, den sich die Welt merken wird. Bei der Passkontrolle nimmt ein fröhlicher Beamter meinen Pass, stempelt ihn und das war es. Nachdem nur ca. 15 Leute im Flieger waren und das Gepäck unkompliziert von Mann zu Mann ausgehändigt wird, ist der komplette Flug in unfassbaren 5 Minuten abgewickelt und der kleine Inselhüpfer macht sich schon wieder auf den Rückflug. Der anschließende Transfer ins Hotel zeigt einem auch gleich, was man von Saba erwarten darf: Berge! Satte Steigungen, Serpentinen und tolle Aussichten werden gleich auf den ersten Metern geboten. Wolfgang von den Saba Divers, war zufälligerweise mit mir im Flieger, weshalb er mich mit seinem Pick-Up routiniert und flink hinauf in den Ort Windwardside bringt. Dort befindet sich das Hotel Scouts Place, das Wolfgang mit seiner Frau Barbara nun schon seit ca. 14 Jahren betreibt. Wolfgang ist Tauchlehrer und ein exzellenter Koch, was ich schon mehrere Male genießen durfte. Barbara begrüßt mich auch lachend und herzlich wie immer. Gut, dass wir uns endlich mal nicht erkältet und fröstelnd in Düsseldorf bei Winterwetter zur Messe umarmen. Endlich mal wieder auf Saba! Lange war ich nicht hier – viel zu lange…

HOTEL SCOUTS PLACE

Das Hotel Scouts Place ist eigentlich genau die richtige Anlage für einen Tauchurlaub auf Saba, denn man es gibt alles, was man braucht, die Lage in Windwardside ist ideal und die deutsche Betreuung im Hotel ist ein zusätzliches Plus. Auf Saba gibt es nur zwei Ortschaften, nämlich „The Bottom“ und eben Windwardside. The Bottom liegt, wie der Name schon charmant beschreibt, im „unteren Teil“ der Insel, also im Tal, während sich Windwardside in die Berge hinein verirrt hat. Das Dorf „Hell’s Gate“ zählen wir mal nicht, denn dabei handelt sich es nur um wenige Häuschen, aber es unterstreicht, dass die Namensgeber der Ortschaften sehr anschaulich dachten. Hell’s Gate ist nämlich so etwas wie der Vorort des Flughafens… In The Bottom gibt es zwei wesentliche Dinge, das Gouverneurs-Haus und die Universität. Diese haucht Saba mehr Leben ein als man meinen möchte. In Windwardside dagegen findet man kleine, atmosphärische Restaurants, schnucklige Geschäfte, einen Supermarkt und das Tourismusbüro. Eines der Restaurants imitiert ein wenig einen Saloon, wie aus einem Lucky Luke Comic, weshalb man fast schon nach Jolly Jumper sucht. Es gibt dort tolle Steaks und das Restaurant passt perfekt zu Saba – der Name: Swinging Doors. Der Name ist Programm!

Zum Hotel Scouts Place gehört ebenfalls ein tolles Restaurant mit einer Terrasse, von der die Aussicht fantastisch ist. Man sieht direkt über die roten Häuserdächer und die grünen Hänge auf das Meer – da schmeckt der Bagel morgens gleich doppelt gut. Ansonsten ist das Restaurant „Scouts“ recht loungig und setzt sich bewusst vom Style der übrigen Lokale ab. Für Taucher ideal, hier direkt nach dem Vormittagstauchgang einen Burger auf der Terrasse zu schnabulieren… Im Hotel gibt es drei verschiedene Zimmerkategorien, wobei sich zwei nur durch die Lage unterscheiden, denn beide befinden sich im Haupthaus und verfügen über die gleiche Ausstattung. Die Zimmer im oberen Stockwerk haben die etwas bessere Aussicht. Vorsicht! Einen privaten Balkon hat man hier nicht, diesen gibt es im Scouts Place nur bei den drei Cottages der besten Kategorie. Eine schöne Abwechslung bietet der Pool, der zwar nicht groß ist, aber für einen faulen Nachmittag gerade richtig. Hier auf der Liege die Aussicht genießen und zur Erfrischung ab und zu ins Wasser zu steigen, ist für eifrige Wanderer sicherlich auch ein guter Ausgleich. Dazu aber später noch mehr…

Update: Leider sind Wolfgang und Barbara mittlerweile tragischerweise kurz hintereinander verstorben und das Scouts Place gibt es in der Form auch nicht mehr. Ich kann hier alternativ das Juliana’s Hotel und den Cottage Club empfehlen.

DIE INSEL SABA

Am nächsten Morgen geht es das erste Mal zum Tauchen und ich bin schon sehr gespannt, ob ich meinen Hai von damals wiedersehen werde?! Die Fahrt vom Scouts Place zum Hafen hinunter gleicht einer Sightseeing Tour durch Saba, beginnend mit der Straße selbst. Das klingt banal und wie ein Witz, ist aber auf Saba tatsächlich so etwas wie eine Hauptattraktion, denn die Geschichte des Straßenbaus ist erstaunlich. Die holländische Regierung hielt 1938 den Bau einer solchen Straße in die Berge hinein für unmöglich, weshalb Einheimische unter der Leitung eines gewissen Herrn Hassell, den Bau der Straße auf eigene Faust und anfangs sogar ohne technische Hilfsmittel vorantrieben. Kurioserweise eignete sich Herr Hassell seine Straßenbaukenntnisse selbst per Fernstudium an! 1958 wurde die Straße fertig gestellt und von den kreativen Einheimischen liebevoll „The Road“ getauft. Wenn man hier nach der Geschichte dieser Straße fragt, bekommt man stolze Geschichten erzählt, auch wenn es sich eben nur um die Straße handelt. Sobald man die ersten Serpentinen hinter sich gelassen hat, öffnet sich ein weiter Blick, die Berge hinab, bis aufs Meer. Dieses schon mehrfach erwähnte satte Grün ist unfassbar, vor allem im Kontrast zum dunkelblauen Wasser. Das Meer sieht fast aus, als ob eine Plane auf ihm liegt – einmalig. Wenn sich die Straße dann weiter durch die Insel arbeitet, erreicht man The Bottom und kann so etwas wie das Maskottchen der Insel gut erkennen. Es ist der Gebirgszug über The Bottom, der wie ein Walfisch aussieht und schützend über dem kleinen Ort schwimmt.  Windwardside und The Bottom haben jeweils nur ca. 450 Einwohner und nahezu jedes Haus ist weiß gestrichen, hat grüne Fensterläden und ein rotes Dach. Auch das ist ein klasse Anblick – die griechischen Inseln haben blaue Dächer, Saba hat eben rote… Schließlich erreichen wir den Hafen und es ist ein Mittwoch – der Tag, an dem die Fähre von St. Maarten ankommt, um Nahrungsmittel und Transportgüter jeder Art nach Saba zu bringen. Von Bier bis hin zu Autos ist da alles dabei, entsprechend ist das Treiben am Hafen groß und lustig zu beobachten, wo der Hafen doch normalerweise sehr ruhig ist.

HAFEN

Der Hafen ist gleichzeitig auch wieder ein Spiegelbild dessen was Saba ist: nämlich eine kleine Insel, die auch weiterhin gerne beschaulich und gemütlich bleiben will. Nur drei Tauchbasen haben eine Lizenz für Saba und das wird auch so bleiben. Massentauchen gibt es hier nicht, drängelnde Tauchboote ebenso wenig, im Gegenteil, man ist immer für sich. Wunderbar! Auf meinem Tauchboot ist Alicia mit dabei, eine mexikanisch stämmige New Yorkerin, die bereits zum 14ten Mal auf Saba ist. Sie kennt jeden Tauchspot und weiß noch genau welchen Fisch sie wann wo entdeckt hat. Und sie redet gerne, vornehmlich über alles. Eine Show die Frau! Als sich unser Boot aufmacht, unsere Tauchplatz-Boje anzufahren, staune ich in Richtung Saba – die Felswände, die steil vom Wasser nach oben ragen, sind beeindruckend. Gigantisch, dafür dass es sich eigentlich um eine so kleine Insel handelt. Wir erreichen die Ladder Bay, von der man über 800 in die Felsen gehauene Stufen zu dem Ort The Bottom gelangt. Früher war dies die einzige Möglichkeit Saba zu betreten und der Auf- bzw. Abstieg, teilweise natürlich auch mit Gütern, war extrem beschwerlich. Schon beim Betrachten der Szenerie erleide ich einen imaginären Wadenkrampf, weshalb ich mich lieber weiter dem Meer widme. In der Ladder Bay gibt es eine Vielzahl sensationeller Tauchplätze und ich freue mich schon so sehr aufs Tauchen – egal welche Boje wir auswählen.

TAUCHEN VOR SABA

Rein ins Wasser und los geht’s… Die Sicht ist gut und man erkennt sofort, dass es sich um eine vulkanische Insel handelt, der Boden ist dunkel, der Bewuchs aber auffallend üppig. Gehaltvoller Untergrund sagt man, glaube ich. Ich habe meine Kamera noch gar nicht richtig in der Hand, da streift uns schon fast der erste Schwarm Tarpune. Bei Tarpunen denkt man ja irgendwie immer zuerst, es seien Haie, denn die Bewegungen sehen ähnlich aus, dazu die Größe von ca. 1-2 Metern, allerdings schwimmt der Tarpun sehr langsam. Trotzdem, wegen der Größe allemal ein spektakulärer Einstieg und ich freue mich über die ersten guten Bilder. Wobei ich, wie gesagt, Anfänger bin, ich hatte gerade erst eine Woche vorher die ersten Fotos geschossen. Und einen Blitz habe ich auch nicht, was ich als sehr passende Ausrede empfinde, denn meine Bilder sind eher kontrastarm… Sie werden später Bilder von mir und von einem echten Fotografen sehen, dann wissen Sie was ich meine. Das Dumme als UW-Fotografen-Neuling ist, dass man immer mit schlechtem Gewissen taucht, denn der Tauchguide muss eigentlich mit dem Zeigen von Besonderheiten immer auf einen warten, da man ja noch am letzten Motiv hängt und verzweifelt versucht, dem Lobster noch ein Lächeln abzuringen. Früher habe ich mich immer gewundert, was die Fotografen unter Wasser so lange treiben, jetzt ist das für mich als „alter Hase“ der Fotografen-Riege ganz normal. Das Tauchen auf Saba ist großartig, abwechslungsreich, irgendwie jagt ein Highlight das nächste. Als ich versuche einen Schwamm samt Barrakuda richtig in Szene zu setzen, umringt mich aus dem Nichts ein Schwarm Fische, als ob ich das Auge eines Hurricanes wäre. Minutenlang! Also gefühlt. Ich mache viele weitere tolle Bilder und freue mich, bei diesem Tauchgang dabei sein zu dürfen. Weiter geht es, diverse Lobster strecken uns ihre Antennen entgegen und die Kamera klickt. Hier Seepferdchen, dort Flamingozungen auf einer Gorgonie und Sandaale, die aus dem Boden kucken. Das ist Tauchen! Man muss erwähnen, dass auf Saba ein Nationalpark eingerichtet wurde, für den man auch bei jedem Tauchgang USD 3,– bezahlt – doch das Ergebnis ist spür- und sichtbar. Die Fische beispielsweise sind richtig zutraulich, das kennt man sonst gar nicht. Neugierig sind die Viecher teilweise, dass man denkt sie wollen einem was erzählen. Eine Schildkröte kommt auf uns zu und fängt inmitten unserer Gruppe an, das Riff anzuknabbern. Einfach nur klasse… Schließlich schwimmt sie weiter, und zwar direkt auf mich zu. Die Kamera klickt wieder und wie! Die Schildkröte stört das überhaupt nicht, im Gegenteil, sie posiert nochmal lässig und lenkt kurz vor mir ein, so dass wir um ein Haar fast kollidieren. Mein Foto dazu ist nicht gezoomt, nicht bearbeitet, gar nichts, genauso konnte ich das Bild machen, weil die Schildkröte nicht fluchtartig weg- sondern zu uns geschwommen ist. Fantastisch. Das große Finale ist dann natürlich „meinem Hai“ vorbehalten. Ein Ammenhai pirscht sich durch die Rifflandschaft und auch er lässt sich leicht verfolgen. Schließlich findet er, was er gesucht hat, nämlich seinen Spielkameraden. Also legt sich der Ammenhai locker ab und die beiden scheinen anzufangen zu plaudern. Meine Kamera klickt erneut und ich bin überrascht wie schnell eine Stunde vorüber sein kann. Auftauchen…

HIKING AUF SABA

Zurück im Hafen ist das Treiben vorbei, die Fähre ist wieder abgefahren, die Belieferten frisch ausgestattet zurück in ihren rot-weißen Häusern und alles ist leer. Unglaublich, unter Wasser ist so viel los, während über Wasser alles ruhig ist. Auf der Rückfahrt zurück ins Hotel grüßt Alicia aus dem Bus heraus nahezu jeden Passanten. Aufgrund der Enge der Straßen und der Steigungen muss man entsprechend langsam fahren, so dass sie tatsächlich jeden grüßt, wortwörtlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie jeden wirklich kennt, wobei auch das zu Saba passen würde…

Einen hervorragenden Burger mit leckeren Fritten später, steht mein Plan für den Nachmittag: Wandern – oder Hiken wie es hier heißt. Man muss dazu sagen, dass ich in Deutschland, trotz der Nähe zu den Bergen leider viel zu selten wandern gehe. Keine Ahnung wieso, aber ich kann mich selten aufrappeln. Auf Saba ist es für mich völlig selbstverständlich meine Schuhe mit Profil zu schnüren, mir die Wanderkarte zu schnappen und wenig später enthusiastisch einen flotten Schritt auf die Straße zu legen. Neben Tauchen ist Hiken nämlich die beliebteste Beschäftigung hier auf Saba. Ich habe ja schon mehrfach die Felswände und die starken Steigungen erwähnt, nun, das kommt nicht von ungefähr, denn auf Saba befindet sich der höchste Berg Hollands! Trara, Überraschung! Kaum zu glauben, aber so ist es. Die Insel ist quasi ein einziger Berg und das Ergebnis ist die Tatsache, dass es nirgends im Königreich Holland höher hinaus geht, als auf Saba. Der Name dieser furchtlosen Erhebung ist der Mount Scenery und überragt mit insgesamt 877 Metern Höhe, den größten Hügel Hollands auf europäischen Festlands um stolze 555 Meter. Wieder was gelernt… Was ich sagen will, hier macht das Wandern richtig Spaß, denn der Mount Scenery hat es ohne Flachs in sich. Bisher hat mich immer die Ausrede davor gerettet ihn komplett zu besteigen, dass er unglücklicherweise jedes Mal, wenn ich den Aufstieg wagen wollte, in Wolken verhangen war. Denn die Plackerei lohnt sich natürlich nur, wenn man dann auch die Aussicht genießen kann. Als ich die ersten Höhenmeter schnaufend überwunden habe und merke, dass ich offensichtlich kein geübter Wanderer bin, stelle ich fest, dass der Mount Scenery schon wieder Wolken um sich geschart hat. Was für ein Pech! Ich „ändere also meinen Plan“ und weiche auf eine andere Route aus, die zwar nicht so hoch geht, dafür aber wenigstens lang ist. Ich will mir ja nichts nachsagen lassen… Die Wanderwege sind toll, wo es steil ist sind meist Stufen, woanders kann man locker über Baumstämme hinwegsteigen, hier und dort gibt es auch Seile zum Festhalten. Die Pflanzenwelt ist sagenhaft, teilweise wabert der Nebel sogar in den Dschungel hinein, was gespenstisch wirkt. Besonders haben es mir die Elefantenohren angetan, große Blätter, die tatsächlich aussehen, wie die der afrikanischen Namensgeber. Zwischendurch geben die tropischen Wälder auch mal wieder eine Aussicht frei und da lohnt sich jeder gewanderte Meter. Die Begre, das Meer unten und weit weg, plus die Pflanzen als Rahmen… Es ist einfach herrlich und man kann diesen Anblick minutenlang auf sich wirken lassen. Wandern macht echt Spaß – wenn da nicht diese selbsterfüllende Prophezeiung wäre! Ich habe nämlich Angst vor Schlangen, panische Angst: ich springe umher und fuchtele mit den Armen, wenn sich vor mir etwas Glänzendes über den Boden windet. Ein tolles und unterhaltsames Schauspiel für alle Beistehenden, habe ich mir sagen lassen. Für mich ist es eher nicht so witzig. Auf jeden Fall gibt es auf Saba eine Schlangenart, sehr schwer zu entdecken und harmlos (glaube ich). Ich weiß den Namen nicht und mir wurde gesagt sie sei sehr selten. „Selten“ sind sie überall, aber ich habe wohl besonders viel Glück, weshalb ich schon oft auf welche getroffen bin. Sie können sich jetzt vielleicht vorstellen, wie ich während der Wanderung hinter jedem Ast eine Boa Constrictor vermute und meine Schritte sorgsam wähle. Alles war prima und sonnig und schön, bis ich, wie konnte es anders sein, tatsächlich eine Saba-Schlange am Wegrand entdecken musste. Ein bisschen Gezappel später, konnte ich mir die Schlange sogar in Ruhe ansehen, auch wenn ich auf diesen Anblick gerne verzichtet hätte. Meine Mitwanderer fanden die Schlange toll, ich weniger, aber so ist das wohl im Jurassic Park, es gibt immer ein paar Viecher, die einem nicht so sympathisch sind… Am Ende des Wandererlebnisses kommen wir in The Bottom an und es gibt noch einen sensationellen Abspann des tollen Nachmittags, nämlich einen Sundowner an der Bar des Hotels Queens Garden – ein Luxushotel mit spektakulärer Terrassen-Bar. Der lecker-frische Cocktail beruhigt mich auch wieder und im Taxi auf dem Weg zurück ins Hotel bin ich schon wieder voller Vorfreude auf den Tauchgang am nächsten Tag. DENN, es steht eines der Highlights von Saba an – die Pinnacles!

SABAOKE

Schlafen kann man übrigens göttlich auf Saba, denn es ist ruhig und aufgrund der Höhe braucht man auch eigentlich kaum eine Klimaanlage, zudem ist man nach den vielen Aktivitäten sowieso meist richtig müde. Nur an einem Abend Woche schläft man tendenziell etwas später ein, und zwar am Freitag, denn da ist Karaoke-Time – genauer gesagt Sabaoke! Aus allen Ecken der Insel kommen die Gäste, um sich auf der Bühne des Scouts Place im Gesangswettbewerb zu messen. Dazu muss man sagen, dass das ganze vor vielen Jahren im Rahmen des ersten Hypes um die Sendung DSDS auf Saba gestartet wurde, und zwar als „Saba sucht den Superstar“. Die Resonanz war so gewaltig, dass der Abend mittlerweile ein Dauerbrenner und nicht mehr wegzudenken ist. Einmal im Jahr gibt es also, neben dem normalen, wöchentlichen Karaoke singen, tatsächlich diesen Wettbewerb und die Siegerliste ist vielfältig – vom einheimischen Taxifahrer bis hin zur amerikanischen Studentin haben hier schon unterschiedlichste Sänger abgeräumt. Manche Inselgäste planen teilweise schon ihren Urlaub nach dem Termin von „Saba sucht den Superstar“, um dabei zu sein, wenn das Saba Idol im November gekürt wird, denn das Ganze ist wirklich ein Inselevent der Sonderklasse. Barbara und Wolfgang haben ihre Bühne im Laufe der Zeit hochprofessionell ausgestattet, so dass die Show einen würdigen Rahmen bekommt. Übrigens, die beiden sind in den Jahren auch zu großen Sängern geworden und eröffnen ab und zu selbst die Sabaoke-Abende, damit das Eis schneller bricht. Ein großer Spaß, an dem die ganze Insel teil nimmt…

NOCHMAL TAUCHEN…

Zurück zum Tauchen, das Highlight steht an! Bei meinen früheren Aufenthalten habe ich es aus unterschiedlichen Gründen nie zu den Pinnacles geschafft, was mich immer geärgert hat. Die Pinnacles, zur Erklärung, sind Felsnadeln, die aus den Tiefen des Meeres fast bis an die Wasseroberfläche reichen und dadurch ein außergewöhnliches Szenario bieten, denn drumherum sieht man logischerweise nur Blau. Als wir den Tauchplatz erreichen, ist der Wellengang sehr stark, was das Adrenalin nur ein bisschen mehr pumpen lässt. Alicia erzählt wie immer fröhlich von ihren Erfahrungen und dass sie hier bisher immer Haie gesehen hat. Also gut, das nehme ich gerne! Ab ins Wasser und zackig abtauchen, denn die Nadelspitze liegt bei ca. 30 Meter. Anfangs ist alles marineblau und erst nach und nach kann man das schmale Riffplateau erkennen. Wir sind noch nicht ganz unten, da sehen wir auch schon einen Riffhai kreisen. Zackig, als ob es ein Wettlauf wäre, umrundet er unseren Tauchplatz. Als wir unten ankommen, biegt er aber in die Zielgerade ein und verschwindet im Blau. Schade, aber was für ein starker Beginn… Ca. 15 Meter, würde ich schätzen, ist die Oberfläche breit und besticht durch viele Höhen und Tiefen, denn so bieten sich viele Versteckplätze für die Riffbewohner. Und tatsächlich, eine viertel Runde später, begegnet uns wieder ein Ammenhai, allerdings befindet er sich vermutlich in der zweiten Traumphase, so entspannt wie er da rumliegt. Meine Kamera hat ihn gut und formatfüllend erfasst, so dass es schnell weitergehen kann. Der Bewuchs ist große Klasse, vor allem durch die Steilwand ergeben sich viele spannende Fotomotive, die ich aber dieses Mal ignoriere, denn die Zeit drängt ein wenig. Unser Tauchguide hat sich nämlich schon wieder bemerkbar gemacht und das zu Recht – drei richtig große Schildkröten „grasen“ fotogen am Riff. Man kann das knacken des Riffs förmlich hören, so intensiv knabbern sie daran. Unglaublich, was das für Brummer sind! Dummerweise blockiert meine Kamera den Auslöser und stellt nicht scharf. Ich habe keine Ahnung wieso, bin dadurch aber natürlich maximal bockig. Was für ein Ärger, drei so massige Schildkröten, unbeeindruckt von uns als Zuschauern, fast schon lächerlich ideal am bunten Riff platziert!?!?! Als ob sie mich erlösen wollen, „erbarmen“ sie sich und ziehen weiter. Na gut, dann beobachte ich sie eben wieder „nur“, wie ich das bisher auch gemacht habe. Auch nicht schlecht… Als wir die Umrundung abschließen, schaue ich nochmal nach dem Ammenhai, der immer noch vom Haiparadies träumt, denn er wirkt nach wie vor sehr gelassen. Auftauchen und ab ins schauklige Boot. Alicia fasst sofort zusammen, was wir alle gesehen haben, wofür ich sehr dankbar bin. Super Tauchgang, großer Tauchsport!

Als ich am letzten Tag meines Aufenthalts mit Wolfgang und Barbara zusammensitze, fehlt mir Saba schon. Ich bin wirklich ein großer Fan von tollen Stränden, aber irgendwie habe ich das hier noch nie vermisst. Das mag an der Atmosphäre auf Saba liegen, denn alle Gäste sind hier wegen dem Tauchen oder der Natur, weshalb man schnell und locker ins Gespräch kommt. Saba hat es in all den Jahren geschafft, sich immer noch den Status eines Geheimtipps zu erhalten und welche Insel kann das schon von sich behaupten?! Vor allem aber begeistert mich das Tauchen auf Saba, es ist viel geboten und entsprechend gibt es einiges zu sehen. Ich habe beispielsweise dieses Mal bei nur einem Tauchgang keinen Hai gesehen, insofern hat das schon sehr gut gepasst, dass ich ausgerechnet auf Saba damals meinen ersten Hai gesehen habe. So schließt sich gefühlt irgendwie ein bisschen der Kreis.

Beim Rückflug ist der Start genauso spannend, wie die Landung beim Hinflug. Die Startbahn ist einfach auffällig kurz, aber es kommt mir vor, als ob der Pilot auch auf einem Bierdeckel starten könnte, denn wir heben deutlich vor dem Ende, was gleichbedeutend mit Wasser ist, ab. In der Luft freue ich mich schon auf die Landung in St. Maarten, denn genauso wie es von unten am Strand Spaß macht, die hereinkommenden Flieger zu beobachten, so macht es Laune, die Perspektive von oben zu genießen. Viele Kameras sind auf unser Flugzeug gerichtet, obwohl wir nur ein kleiner Hüpfer sind, aber es ist trotzdem ein prima Abschluss einer tollen Reise…

KOMMEN WIR ZUM ENDE…

Und damit beschließe ich meinen zweiten Reisebericht diesen Jahres und freue mich wie immer über jedes Feedback. Die Antworten auf meinen British Virgin Islands-Bericht waren so umfangreich, dass ich fast zwei Tage gebraucht habe, um alle Nachrichten zu beantworten – vielen Dank für diese überwältigende Rückmeldung.

Bis dahin, alles Gute

Euer

Johnny Bongo