Honduras ist einer meiner Lieblingstipps

  • Copán ist ein echter Maya-Insidertipp!

  • Der Nationalpark Azul Meambar ist ein Highlight für Naturliebhaber.

  • Rund um die größere Karibikinsel Roatán gibt es großartige Tauchplätze.

  • Auf der Nachbarinsel Utila findet man noch die echte, authentische Karibik.

Reisen war schon immer meine große Leidenschaft. Als Jugendlicher habe ich mir mal eine Weltkarte mit Styropor dahinter gebastelt, damit ich Nadeln mit Flaggen dorthinein stecken konnte, wo ich bereits war. Es dauerte mir nur leider viel zu lange bis sich das Bild nach und nach mit Fahnen füllte. Pläne hatte ich in jedem Fall viele. Und das wusste auch jeder in meinem Umfeld. Erfreulicherweise bekam ich dann die Möglichkeit mein Hobby zu meinem Beruf zu machen. Seitdem werde ich oft von Freunden und Bekannten gefragt, was denn nun mein ganz besonderer Reisetipp wäre?! Nun, ehrlich gesagt, habe ich viele Zielgebiete, Regionen und Länder, die ich mehr als gerne mag. Die Karibik generell. Ich mag das Lebensgefühl dort, diese einzigartige Atmosphäre und das lockere „Sein“. Cuba ist quasi mein zu Hause in der Karibik. Nicaragua ist so etwas wie mein besonderes Entdeckerziel und ich war einer der ersten Reiseveranstalter, der klassische Pauschalreisen dorthin organisiert hat. Aber Honduras war mein erster Insidertipp! Vermutlich die wenigsten haben Honduras auf ihrer geheimen Reiseliste, viele kennen Honduras ja nicht einmal. Zu dominant ist die Konkurrenz in Mittelamerika mit Mexiko und Costa Rica. Nun, was soll ich sagen: Das ist die Chance für jeden, der einmal ein „anderes“ Land kennenlernen möchte…

Copán

Tegucigalpa ist zwar die Hauptstadt von Honduras, das touristische Herz schlägt aber weiter im Norden, und zwar in San Pedro Sula. Die Stadt ist furchtbar und noch in einigen Ecken sogar gefährlich, weshalb der Aufenthalt hier so kurz wie möglich sein sollte. Von dort geht es weiter Richtung Westen zu einem der Highlights des Landes. Die alte Mayastadt Copán liegt fast an der Grenze zu Guatemala und ist ein echter Schatz. Die Fahrt dorthin ist mühsam und zeigt auch gleich die Schwächen und Stärken dieses Landes. Es gibt keine ausgebauten Autobahnen, auf denen große Touristenmassen in noch größeren Bussen in das Innere von Honduras gekarrt werden, um dort im Schnelldurchlauf eine Ausgrabungsstätte zu besichtigen. Das ist die Schwäche. Die Stärke ist, dass man eben keine großen Touristenbusse auf dem Parkplatz der antiken Ruinen findet. Die Wahrheit ist, dass ich bei allen Besuchen vor Ort niemals auch nur annähernd so etwas wie große Touristengruppen gesehen habe. Das Maximum war eine Schulklasse, die sich freudig durch das große Areal von Copán gespielt hat. Bei meinem ersten Besuch hatte mein Tourguide einen Stock mit einer auffällig bunten Feder mit dabei, damit ich ihn nicht verliere, was blanke Ironie war, weil ich außer ihm vielleicht noch zehn andere Menschen in der ganzen Anlage gesehen habe. Und als ich dann auf einer Erhöhung auf die sehr gut erhaltenen Überreste dieser ehemals stolzen Stadt blicken konnte, kam ich mir vor wie Indiana Jones. In der gesamten Weite war niemand außer mir. Die Steinmauern wurden an einigen Stellen von der Natur zurückerobert und respekteinflößend große Bäume wachsen mittlerweile inmitten der ehemaligen Marktplätze. Es war ein beeindruckendes Bild und ein noch schöneres Gefühl. Einige Jahre später war ich wieder einmal im Rahmen einer Gruppenreise dort und konnte mich kaum losreißen von den spannenden Geschichten, die unser Guide Sául über Copán erzählt hat. Allen Teilnehmern ging es genauso. Die Ruinen von Copán zählen seit 1980 zum UNESCO Weltkulturerbe und sind so etwas wie ein Spielplatz für Erwachsene. Oder eben auch für Schulkinder.

Die direkt daneben liegende gleichnamige Kolonialstadt Copán ist im Übrigen eine bezaubernde Kulisse für diesen kulturellen Ausflug. Ich genieße die Zeit dort immer sehr, denn man kann wunderbar durch die Pflastersteingassen schlendern, in einheimischen Restaurants echte Landesspezialitäten genießen oder aber in einem Café um die Ecke leckeren honduranischen Kaffee probieren. Alles unaufdringlich und entspannt.

Nationalpark Azul Meambar & Wasserfall Pulhapanzak

Der nächste Teil einer Rundreise durch Honduras könnte der Nationalpark Azul Meambar sein. Alleine schon die Unterkunft ist ein Highlight, denn es handelt sich um eine Lodge inmitten von Dschungel. Es knackt und raschelt überall, man hört das Leben und riecht die Natur. Zwei Gruppen habe ich bisher hierher begleitet und beide waren zunächst eher unaufgeregt hinsichtlich dieses Teils der Reise. Bei der Abreise meinten beide dann aber, dass man hier durchaus mehr Zeit hätte verbringen können. Ich sehe das genauso. Bevor es auf die Inseln geht, folgt noch ein Abstecher zum gewaltigen Wasserfall Pulhapanzak. 43 Meter hoch und rauschend laut. Alleine der Anblick ist schon großartig, aber mit einer Zipline über den Wasserfall hinwegzuschweben ist ein Highlight! Eine Rundreise durch Honduras ist so abwechslungsreich wie nur irgend möglich. Der einzige Haken besteht darin, dass die Strecken lang sind – das sollte man wissen.

Nun aber soll es endlich nass werden. Honduras bietet zwei fantastische Inseln im Karibischen Meer, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und das sieht man direkt am Fährhafen des Ortes La Ceiba. Hier legen die Fähren zu der jeweiligen Insel ab. Links ein schicker Neubau mit Glastür und klimatisiertem Wartesaal. Rechts ein überdachter Bretterbau mit einer kleinen Hütte in der Mitte. Links geht es nach Roatán und die Urlauber tragen ihre Hartschalenkoffer vom Bus in das Fährterminal. Rechts steigen Backpacker von einem Transporter und kramen erstmal einen Lonely Planet-Reiseführer aus ihrem Rucksack. Sie wollen auf die kleine Insel Útila. Was beide Inseln eint, ist, dass sie viel zu bieten haben – sowohl über als auch unter Wasser.

Roatán

Mich verschlägt es erst nach Roatán, die touristisch deutlich weiter entwickelte Insel. Allerdings muss man das ein wenig einschränken, denn letztlich ist nur der äußerste Westen von Roatán voll erschlossen. Am puderzuckerweißen Strand von Westend gibt es viele Bars, Cafés und Restaurants, der Rest der Insel hat sich jedoch seine

Ursprünglichkeit bewahrt. Das Tauchen auf Roatán zeichnet sich vor allem durch Drop-Offs im Süden aus – hier können sich Tieftaucher austoben und auf dem bunt bewachsenen Korallendach wunderbar austauchen. Mich ziehen die Steilwände jedes Mal in ihren Bann, denn sie wirken wie ein Felsmassiv, das es zu erklimmen gilt. Begleitet werde ich von Fischschwärmen, zahlreiche Lobster beobachten mich aus ihren Verstecken und hin und wieder kann man im Blau Riffhaie oder Adlerrochen entdecken. Apropos Haie. Wer hier Haie sehen will, kann das auch. Die Tauchbasis des Italieners Sergio bietet angefütterte Haitauchgänge an und die Tauchbasen der Insel schicken ihm auch gerne ihre Taucher. Kritiker werden den Finger heben und ich habe Sergio auch einmal mit der Frage konfrontiert, ob sich das Verhalten der Haie durch seine Fütterungen nicht verändert. Seine Antwort darauf war recht einfach, und zwar, dass die vielen Haie der Region niemals von dem bisschen Köder satt werden würden. Sie kommen zwar gerne vorbei, um sich den Appetizer abzuholen, aber jagen müssten sie trotzdem weiterhin. Fakt ist, fast alle Taucher auf Roatán buchen mindestens einmal diesen Tauchgang, denn er hat es in sich. Schon beim Abstieg erkennt man Bewegungen am Grund. Große graue Körper rauschen durchs Riff. Bis zu 20 stattliche Riffhaie versuchen bei einem solchen Tauchgang einen Happen abzubekommen und umkreisen dabei die Gruppe der Taucher. Wie gesagt, wer Haie sehen möchte, wird hier aus dem Staunen nicht herauskommen.

Utila

Weiter geht es nach Útila. Mein Herzenstipp. Das Publikum auf der Fähre hat oft schon viel gesehen von Mittelamerika. Die Backpacker reisen meist von Süden nach Norden durch die verschiedenen Länder und Útila darf dabei nicht fehlen. Schon am Hafen kann man den Geist der Insel aufsaugen. Bunte Bretterbuden, bemalte Schilder bei denen die Farbe hier und da abblättert, Mopeds knattern und Musik schallt blechern von irgendwoher. Es dauert manchmal ein paar Tage bis man richtig auf Útila ankommt, aber diesem außergewöhnlichen Gefühl der Insel kann man sich kaum entziehen. Eigentlich besteht die Insel nur aus einem Ort und dieser wiederum nur aus einer Straße – das macht sie übersichtlich. Fast unmittelbar direkt am Ufer schlängelt sich die Straße durch kleine Hütten, Stände und Bootshäuser mit Stegen. Dabei handelt es nicht selten um Bars, bei denen man die Cocktails direkt über dem Wasser mit Blick gen Westen Richtung Sonnenuntergang genießen kann. In einer Hängematte liegen, die richtige Musik im Hintergrund, ein feines Getränk mit Schuss in der Hand und aufs Wasser blicken: Das ist für mich Karibik. Auf Útila ist das ein ganz normaler Abend. Ich könnte Seiten über diese faszinierende Insel schreiben, weil man hier auf einmal Aussteiger verstehen kann. Menschen, die zu Hause ihre Firma verkaufen oder ihren Anzug gegen Flipflops eintauschen und das nur um hier auf Útila Yoga zu unterrichten. Einer meiner Lieblingsmomente auf Útila besteht immer darin, mittags nach dem Tauchen direkt in eines der kleinen Lokale einzukehren, bei denen die Mama des Hauses noch in der Küche steht und strahlend nach draußen winkt und anschließend einen Smoothie auf der Straße zu schlürfen. Zeit spielt dabei keine Rolle. Wieso auch, wir sind in der Karibik und hier ticken die Uhren ja bekanntermaßen anders…

Euer

Johnny Bongo